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28.05.2000

13:21 Uhr

Bundeslandwirtschaftsminister mahnt, hohe europäische Standards weltweit zu berücksichtigen

Funke für Freiheit in Schranken und Einsatz von Gentechnik beim Weltagrarhandel

Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) hat sich gegen einen schrankenlosen Weltagrarhandel ausgesprochen. Der Hunger auf der Welt kann seiner Auffassung nach nur mit Hilfe der Gentechnik gestillt werden.

dpa HANNOVER. Die geplante Liberalisierung des Welthandels muss nach Funkes Worten vergleichbare Wettbewerbsbedingungen schaffen. Es gelte, die hohen Standards und damit auch die höheren Kosten der Landwirtschaft in den EU-Ländern zu berücksichtigen. Eine andere Sache sei, schrittweise weltweit Subventionen für die Landwirtschaft abzubauen, um auf dem Weltmarkt wieder zu realistischen Preisen zu kommen.



Die Bundesregierung unterstützt damit in zentralen Punkten den Kurs des Deutschen Bauernverbandes im Hinblick auf die Verhandlungen in der Welthandelsorganisation WTO. Deren Präsident Gerd Sonnleitner forderte am Sonntag, eine Öffnung der Weltmärkte dürfe es nur geben, wenn zugleich die europäischen Standards für Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz international abgesichert würden.
Auch der Präsident des Weltbauernverbandes IFAP, Gerard Doornbos, sprach sich gegen eine generelle Liberalisierung des Weltagrarhandels aus.
Funke bekannte sich zu den in der Landwirtschaft teilweise umstrittenen Bio- und Gentechnologien. Nur mit ihrer Hilfe sei der Hunger in vielen Entwicklungsländern zu bekämpfen. "Ich persönlich glaube nicht, dass die nötigen Produktivitätsfortschritte in der Landwirtschaft, die wir brauchen, um das Hungerproblem zu lösen, ohne den verantwortbaren Einsatz der Bio- und Gentechnologien erreichbar sind", sagte der Minister vor 300 Delegierten aus 60 Ländern.



Nur ein Fünftel der weltweit zusätzlich nötigen Nahrungsmittel könnten über neue Agrarflächen produziert werden, sagte Funke. Der stellvertretende Direktor der UN-Ernährungsorganisation FAO, Hartwig de Haen, sagte, von dem Ziel, bis 2015 die Zahl der weltweit Hungernden von 800 auf 400 Mill. Menschen zu halbieren, sei die Welt noch weit entfernt.



IFAP-Präsident Doornbos sagte, ein freier Handel sei kein Selbstzweck, sondern müsse dem Ziel dienen, die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern. "Ein liberalisierter Markt aber würde mit seinen Kräften genau in die entgegengesetzte Richtung gehen." Die EU-Bauern würden bei einer radikalen Liberalisierung des Welthandels unter anderem die Exportsubventionen verlieren und müssten auf dem Weltmarkt mit preiswerteren Agrarprodukten konkurrieren.



Aus Sicht des deutschen Bauernverbandes muss es bei den WTO-Verhandlungen auch darum gehen, die Situation der Bauern in den Entwicklungsländern zu verbessern. Themen seien Landpachtregelungen, besserer Zugang zu Boden und Wasser, die Kreditpolitik sowie generell die Infrastruktur. Der Weltbauerntag berät bis Mittwoch unter anderem die Zukunft des Weltagrarhandels, das Welthungerproblem und den Einsatz der Gentechnologie in der Landwirtschaft.

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