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08.01.2003

13:04 Uhr

Bundesliga vor Einstieg

Sport, Sex und Sägen

Die große Geburtstagsfeier fiel aus. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) ist seit zehn Jahren auf Sendung, doch der Kampf ums Überleben steht derzeit im Vordergrund. Der seit der Gründung defizitäre Spartensender aus dem zusammenbrechenden Kirch-Imperium sucht in diesen Jubiläums-Tagen einen neuen Hauptgesellschafter - und die Fußball-Bundesliga will bis Ende des Monats über eine 25,1-Prozent-Beteiligung entscheiden.

HB/dpa MÜNCHEN/HANNOVER. Das DSF hat harte Zeiten hinter sich. Seit Leo Kirch 1993 aus Tele fünf einen Sportkanal machte, schreibt der Sender rote Zahlen. Die hochgesteckten Erwartungen haben sich weder für das DSF noch für die vielen Sportverbände erfüllt, die auf das große Geld für TV-Rechte hofften. Der Marktanteil des Programms, das von Sport über Sägewettbewerbe und Reifenweitwurf bis zu "Sexy Sportclips" reicht, liegt im Jahresdurchschnitt nur bei 0,9 %.

Seit sechs Monaten gibt es wieder Hoffnung. Der neue Geschäftsführer Stefan Ziffzer fährt einen radikalen Sparkurs. Ziffzer hat zu teure Sendungen gestrichen, die Dienstleistungsverträge mit Premiere und Sat.1 größtenteils beendet und die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Im abgelaufenen Jahr beträgt das Minus aus dem operativen Geschäft laut Ziffzer "nur noch 15 Mill. ?. Dieses Jahr rechnen wir erstmals mit einem ausgeglichenen Ergebnis".

Das DSF ist zumindest so attraktiv, dass sich vier Interessenten gefunden haben, die den Sender von der insolventen KirchMedia übernehmen wollen. Dazu kommt jetzt das Angebot von Ziffzer und seinem neuen Kollegen Marcus Meyer, mit einem US-Investor als Finanzier den Sender mit einem so genannten Management-buy-out selber zu übernehmen. "Es wird auf alle Fälle weitergehen", sagt Ziffzer, der für sein Modell keinen Wettbewerbsvorteil sieht: "Die Kaufsumme entscheidet."

Mit der Fußball-Bundesliga steht ein Minderheitsgesellschafter bereit. "Wir wollen bis Ende des Monats entscheiden", sagt Michael Pfad aus der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Die DFL besitzt durch den vergangenes Jahr abgeschlossenen TV-Vertrag eine Option für eine 25,1 %-Beteiligung.

Hoffnungen, mit dem Partner DFL auch in die Erstliga- Berichterstattung einsteigen zu können, macht sich das als Zweitliga- Sender geltende DSF nicht. "Ich glaube nicht, dass der Preis so weit fällt, dass wir es uns leisten können", sagt Ziffzer. Der Sender Sat.1, der derzeit geschätzte 80 Mill. pro Saison zahlt, besitzt ein Vorkaufsrecht.

Ziffzer gibt sich lieber bescheiden. "Der Versuch, mit den Großen mitzuspielen, ist gescheitert", sagt der DSF-Geschäftsführer. Mit teuren Übertragungen, etwa Europapokalspielen, sei bei einem Spartensender zu wenig Quote zu erreichen. Stattdessen wird mit bis zu 20 Wiederholungen am Tag gespart und mit "Sexy Sport Clips" und den entsprechenden Werbespots in der Nacht Geld verdient.

"Es gibt nicht ansatzweise etwas, mit dem wir zu diesem Zeitpunkt so viel Geld verdienen können", kommentiert Ziffzer das DSF- Nachtprogramm. Ähnlich sieht er das übrige Programm: "Wir müssen akzeptieren, dass mehr Menschen Baumstammwerfen sehen wollen als einige klassische Sportarten." Schwerpunkt des Programms ist allerdings Fußball. Und der wird auch im Mittelpunkt der ersten von drei Sondersendungen zum zehnjährigen Jubiläum am Sonntag um 11.00 Uhr stehen.

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