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04.05.2003

15:17 Uhr

Bundesregierung hilft

Wenig Hoffnung auf Ausrottung von SARS

Die Hoffnung auf eine Ausrottung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit SARS sinkt. In Hongkong warnten Wissenschaftler, das Virus verändere sich "wie ein Mörder", der seine Fingerabdrücke verwische. "Wir müssen damit rechnen, dass wir für ein halbes Jahr oder noch länger mit SARS konfrontiert werden", sagte der deutsche Virologe Wolfgang Preiser dem Fernsehsender n-tv. Vielleicht sei für immer mit Einschleppungen in andere Länder zu rechnen.

HB/dpa PEKING/BERLIN. "Der Schlüssel für die weitere Entwicklung liegt in China." Dort stieg die Zahl der SARS-Fälle unverändert stark an. Am Wochenende kamen 344 neue Erkrankungen und 16 Tote hinzu, davon allein in Peking neun Tote.

Die Bundesregierung hat unterdessen zehn Mill. ? zur Bekämpfung der Seuche zur Verfügung gestellt. Auf Bitten des Bürgermeisters von Peking, Wang Qishan, würden Beatmungs- und Röntgengeräte nach China geliefert, teilte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit am Sonntag in Berlin mit. Bereits Anfang der Woche starte eine erste Lieferung nach Peking.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO reagierte besorgt auf Berichte aus Hongkong, wonach Patienten mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS) erneut erkrankt waren, nachdem sie die Krankenhäuser als geheilt verlassen hatten. WHO-Experte David Heymann sagte, die Rückfälle könnten auf eine Behandlung mit Steroiden (Hormonen) zurückzuführen sein, die eventuell zu früh abgebrochen worden sei. Wissenschaftler entdeckten Mutationen des Virus, von dem derzeit zwei Stämme bekannt sind. "Die rasche Evolution ist so ähnlich wie ein Mörder, der versucht, seine Fingerabdrücke oder sein Erscheinen zu verändern, um nicht erwischt zu werden", sagte Professor Dennis Lo von der Universität in Hongkong im Rundfunk.

Durch die jahrelangen Vorarbeiten deutscher Wissenschaftler könnte die Entwicklung eines Medikaments gegen den SARS-Erreger erheblich beschleunigt werden, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Hamburg). Wissenschaftler aus Würzburg und Lübeck hätten das humane Coronavirus 229E, das beim Menschen Schnupfen auslöst, eingehend erforscht und seien dabei, erste Hemmstoffe zu testen. Auch der SARS- Erreger wurde als neues Corona-Virus identifiziert.

Um eine Ausbreitung in Peking unter den 1,37 Mill. Schülern zu verhindern, bleiben die chinesischen Schulen vorerst für zwei weitere Wochen geschlossen. Dagegen nimmt die Deutsche Botschaftsschule am Montag nach den Osterferien wieder den Schulbetrieb auf. Den etwa 300 Schülern und Kindergartenkindern wird bei Betreten jeweils die Köpertemperatur gemessen. Die WHO mahnte in Peking genauere Daten über Patienten und eine bessere Unterrichtung der Bevölkerung an. "Die Öffentlichkeit muss mehr Informationen haben, wann und wo Infektionen vorkommen", sagte der WHO-Representant Henk Bekedam. Auch seien bessere Schutzmaßnahmen in den Krankenhäusern nötig.

Nach Angaben des Virologen Preiser ist Europa "gut vorbereitet", wenngleich auch Deutschland mit "sporadischen Einschleppungen" rechnen müsse. Er glaube allerdings nicht an eine größere Ausbreitung in Europa. "Wir haben aber die Furcht, wenn schon innerhalb Chinas so gewaltige Probleme mit SARS auftreten, wie es erst sein würde, falls das Virus in afrikanischen oder südasiatischen Ländern auftaucht, wo das Gesundheitswesen sicherlich der Lage nicht gewachsen sein wird."

Als weitere Maßnahme gegen SARS sagte Pekings Stadtverwaltung zu, das bisher lockere Spuckverbot, an das sich niemand gehalten hat, mit einer Strafe von 50 Yuan (5,40 ?) durchzusetzen. Auch kommen immer mehr Menschen in Quarantäne - derzeit 11 000. In der Provinz Shanxi, wo es 339 Fälle gibt, wurden in der Medizinischen Hochschule von Taiyuan mehr als 9000 Menschen in Quarantäne genommen.

Wegen der heiklen Lage in China beschloss der Weltfußballverband FIFA, die für den 23. September bis 11. Oktober in der Volksrepublik geplante Weltmeisterschaft der Frauen abzusagen und an einen anderen Ort zu verlegen. Interesse bekunden die USA und Australien.

Die Lufthansa leidet weiter an den wirtschaftlichen Folgen durch SARS. "Wir verlieren pro Woche durch SARS und die schwache Konjunktur 55 Mill. ?", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther dem Magazin "Focus" (München). Die Lufthansa habe die Zahl ihrer Flüge von Deutschland nach Schanghai und Peking von 28 auf 14 pro Woche halbiert.

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