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06.08.2000

16:44 Uhr

Bundesvereinigung will eindeutige Definition von Arztleistungen

Kassen fordern neue Vergütungsregelung

Im Streit der Krankenkassen mit den Ärzten um leistungsgerechte Vergütung und umfassende Patientenversorgung haben sich am Wochenende die Fronten verhärtet.

ap BERLIN. Zwar betonten beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft. Aber die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bekräftigte auf einer Tagung über die Neuordnung des Vergütungssystems in Berlin, die Kassen müssten mehr Geld zur Versorgung der Kranken bereitstellen. Dagegen beharrten die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen darauf, das gegenwärtige Budget sei nicht zu erhöhen. Das Geld müsse lediglich wirkungsvoller eingesetzt werden.

In einer gemeinsamen Erklärung appellierten die Kassen an die Ärzte, die Vergütungsregelungen weiterzuentwickeln. "Die Krankenkassen wollen qualitativ hochwertige medizinische Leistungen angemessen vergüten, aber keine unwirtschaftlichen Strukturen subventionieren", erklärte der AOK-Bundesverband.

KBV-Vorsitzender Manfred Richter-Reichhelm betonte, die ärztlichen Leistungen müssten "abschließend und eindeutig" definiert und einzelnen Versorgungsbereichen zugewiesen werden. "Wir müssen auf der Basis einer sauberen betriebswirtschaftlichen Grundlage die Preise für ärztliche Leistungen benennen und die Anzahl der Leistungen, die wir unter begrenzten Geldmitteln erbringen können, auf der Basis dieser Kalkulationen definieren."



Zeitgemäße Bezahlung



Die Ärzte wollen zeitgemäße Bezahlung. Ein neuer einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM) sei nicht dafür notwendig, um Mangel anders und vielleicht gerechter zu verteilen. Der EBM müsse ein Grundbaustein einer Gesamtkonzeption für die Neuordnung des Vergütungssystems sein.

Nach dem von den Ärzten angestrebten "EBM 2000 plus" sollen künftig persönliche ärztliche Leistungen und technische Leistungen getrennt kalkuliert werden. Die Gesamtkosten einer ärztlichen Leistung setzen sich demnach zusammen aus Arztlohn je Minute, der Behandlung der speziellen Krankheit, Praxiskosten je Minute und den Aufwand für Einsatz technischer Geräte.



Intensive Verhandlungen



Spitzenverbände der Krankenkassen betonten in einer Erklärung, die EBM-Reform müsse beitragen zur wirtschaftlicheren Versorgung der Versicherten mit hochwertigen medizinisch notwendigen Leistungen. Einkommenssteigerungen für Ärzte seien für die Kassen kein Ziel. Die Spitzenverbände der Krankenkassen boten der Ärzteschaft "noch weitere intensive Verhandlungen über Ziele, Inhalte und Instrumente der Reform" an. Grundsätzliches Ziel der Kassen sei, viele Leistungen im Rahmen von Pauschalen zu vergüten.



Kassenärzte wollen in die Hauptstadt



Die KBV hat unterdessen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer aufgefordert, umgehend den Umzug der KBV-Zentrale von Köln nach Berlin zu genehmigen. Räumliche Nähe zu Regierung und Parlament sei für die Verbandsarbeit unbedingt erforderlich. In einer entsprechenden Resolution verwahrte sich der Verband gegen eine politische Einflussnahme von Politiker in Nordrhein-Westfalen, die gegen einen Umzug seien.

Bei einer Verzögerung des Umzuges sei die Funktionsfähigkeit der KBV gefährdet, argumentiert die Organisation. Außerdem koste die derzeitige Verwaltungsstruktur die Kassenärzte jährlich vier Mill. DM mehr als eine Konzentration an einem Standort in Berlin. Die KBV ist die Spitzenorganisation von mehr als 130 000 Vertragsärzten und Psychotherapeuten in Deutschland.

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