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16.01.2001

13:53 Uhr

Bundeswehr soll Uranmunition getestet haben

Spuren von Plutonium in Uranmunition vermutet

Nach Darstellung des NDR soll die Bundeswehr vor 20 Jahren Uranmunition auf einem Übungsplatz in Sennelage getestet haben. In der von der NATO auf dem Balkan verwendeten Munition sollen auch Spuren von Uran236 enthalten sein.

ap HAMBURG. Die Bundeswehr hat nach Darstellung des NDR vor 20 Jahren Uranmunition getestet. Ein ehemaliger Soldat sagte dem Sender, er habe 1980 auf dem Übungsplatz Sennelager bei Paderborn etwa zehn Patronen mit abgereichertem Uran verschossen. Vor Gesundheitsgefahren sei er nicht gewarnt worden. Unterdessen wiesen Schweizer Wissenschaftler darauf hin, dass in Uranmunition aus dem Kosovo höchstwahrscheinlich Plutonium-Spuren enthalten seien. Die Gefahr, an Krebs zu erkranken, wäre damit um ein Vielfaches höher.

Das Bundesverteidigungsministerium kommentierte den Bericht des Soldaten nicht. Der Wissenschaftler und Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, sagte dem Sender jedoch, die Aussagen des Mannes passten zusammen. Ein Foto des Soldaten neben dem beschossenen Panzerwrack zeige Merkmale, die den Einschussspuren von Uranmunition ähnelten.



Schweizer haben Spuren von Uran236 in Munition entdeckt

In einem Labor im schweizerischen Spiez seien in Uranmunition geringe Mengen von Uran 236 festgestellt worden, teilte die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) in Zürich mit. Daraus habe ein Labor-Mitarbeiter den Schluss gezogen, dass ein gewisser Anteil des im Kosovo eingesetzten Urans aus Kernkraftwerken stammen müsse, weil Uran 236 in der Natur nicht vorkomme. Die Hochschule wies darauf hin, dass bei der Energieproduktion in Kernkraftwerken immer Plutonium in den Uranbrennstäben entsteht.

Der Vorsitzende des Bundeswehr-Verbands, Bernhard Gertz, kritisierte unterdessen die seiner Auffassung nach mangelhafte Ausbildung von 1996 und Anfang 1997 in Bosnien stationierten Bundeswehrsoldaten. Nicht nur zu Beginn des Kosovo-Einsatzes sei das deutsche Kontingent im Juni 1999 im Umgang mit Uranmunition nicht ausgebildet gewesen, sagte Gertz dem Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe). Auch für die ersten in Bosnien stationierten Soldaten habe es keine "konkrete, vollständige, durch Ausbildung gestützte Unterrichtung gegeben". Erst ab dem Frühjahr 1997 sei der Umgang mit Uranmunition auch in der Ausbildung der betroffenen Soldaten zum Thema geworden.

In einem offenen Brief forderte der Leiter der Berliner Hilfsorganisation HCC, Thomas Berger, eine rückhaltlose Aufklärung über eine Kontaminierung der Umwelt durch uranhaltige Munition. Bereits im vergangenen Jahr habe er darauf aufmerksam gemacht, dass Hilfsorganisationen nicht über der Einsatz der Munition und die damit verbundenen Gefahren hingewiesen worden seien. Auch habe die Hilfsorganisation gegenüber der Bevölkerung des Kosovo eine Informationspflicht.



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