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07.01.2002

12:42 Uhr

Bundesweite Plakataktion geplant

Ärzte wollen gegen Rot-Grün mobilisieren

Teile der Ärzteschaft wollen sich massiv in den Wahlkampf 2002 einmischen und Patienten gegen die rot-grüne Gesundheitspolitik mobilisieren. Zusammen mit dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte und dem Verband Physikalische Therapie startete der Ärzteverband Hartmannbund (HB) am Montag in Berlin eine bundesweite Plakataktion unter den Mottos "Wahltag ist Zahltag" und "Wahltag ist Gesundheitstag".

dpa BERLIN. Darauf beklagen sie ein "Pillen-Chaos", eine "Einschränkung der freien Arztwahl" und eine "staatlich reglementierte Zuteilungsmedizin". Die drei Verbände haben nach eigenen Angaben zusammen 110 000 Mitglieder.

Die Verbände warfen der Politik vor, das Gesundheitswesen "kaputt zu sparen". Sie wollen, dass Kranke weniger auf Kassenkosten bekommen und Versicherte insgesamt mehr zahlen müssen. Der Kassenkatalog soll in Grund- und Wahlleistungen aufgeteilt werden. Für Wahlleistungen müssten Versicherte dann extra zahlen. Der HB-Vorsitzende Hans-Jürgen Thomas plädierte dafür, dass Patienten etwa die Kosten für relativ preiswerte akute Leiden wie eine Bronchitis, einen verstauchten Knöchel oder eine Platzwunde selbst übernehmen. Denkbar sei auch, dass Privat- und Sportunfälle extra abgesichert werden. Dagegen sollten teure, notwendige Leistungen und chronische Krankheiten weiter von den Kassen übernommen werden.

Man müsse den Menschen offen sagen, dass sie künftig mehr Geld für ihre Gesundheit zahlen müssten, sagte Thomas. Als Gründe nannte er die wachsende Zahl älterer Menschen und den medizinischen Fortschritt. Er bestritt, dass es noch nennenswerte Sparreserven im Gesundheitswesen gebe. Zwar sei natürlich "irgendwo noch Luft" drin, dies reiche aber nicht, um den Finanzbedarf zu decken.

Nach zwei internationalen Studien hat Deutschland allerdings bereits heute eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt. Die medizinischen Ergebnisse sind dagegen nur Mittelmaß. Experten gehen daher davon aus, dass es im deutschen Gesundheitswesen noch massive Sparreserven gibt, wenn man die Qualität der medizinischen Versorgung verbessert. Thomas bestritt dies und bezweifelte die wissenschaftliche Aussagekraft der Studien.

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