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04.01.2001

18:38 Uhr

Burda-Tochter und Mannesmann Arcor wollen ihr Gemeinschaftsprojekt „Talking Web“ zur Cebit offiziell starten

Cyberlab bringt das Internet zum Sprechen

Informationen aus dem Internet abrufen zu können, auch wenn gerade kein PC in der Nähe ist - das ermöglicht Talking Web. Gesurft wird am Telefon im Dialog mit einem Sprachcomputer. Das Joint Venture der Burda-Tochter Cyberlab und Mannesmann Arcor soll zur Cebit offiziell vorgestellt werden.

tel MÜNCHEN. Seit knapp zwei Jahren arbeitet Jean Paul Schmetz, Chef von Burda Digital und deren Tochter Cyberlab, an der Entwicklung des sprechenden Internets. Derzeit wird es in den USA und Deutschland erprobt, zur Cebit soll offiziell Premiere sein.

Talking Web ist ein Internetportal, auf das man jederzeit über das Telefon zugreifen kann. Die Stimme ersetzt dabei quasi die Maus, mit der man sich durchs Portal navigiert und der Sprachbefehl den Klick. Der Nutzer ruft einfach unter der Hotline-Nummer 0180 5999 8255 an und wählt aus verschiedenen Rubriken wie "Nachrichten", "Wetter" oder "Horoskop" aus, welche Informationen er abhören will. Auch maßgeschneiderte Angebote liefert Talking Web, Infos über das eigene Aktiendepot beispielsweise. Dafür gibt es die personalisierte Funktion "Mytalkingweb". E-Mails kann man sich vom Sprachcomputer am Telefon ebenfalls vorlesen lassen.

Weil viele Internetnutzer auch gerne einen Zugriff aufs Web hätten, wenn gerade kein Computer mit Internetanschluss verfügbar ist, sehen die Joint-Venture-Partner Cyberlab und Mannesmann Arcor einen großen Bedarf für das sprechende Internet. Eine ideale Nutzungssituation ist laut Schmetz beispielsweise das Auto, wo man per Freisprechanlage surfen kann. Studien hätten ergeben, dass die Nutzer von AOL mehr Zeit im Auto als im Internet verbringen. In den laufenden Testprogrammen in den USA und Deutschland zeigt sich allerdings auch schon eine rege Abfrage vom Festnetz aus. Talking Web vom Festnetz aus kostet in Deutschland zur Zeit 24 Pfennig pro Minute.

Bis zu Cebit will das in München ansässige Unternehmen mindestens zehn Inhalte-Anbieter als Kooperationspartner gewonnen haben. Börse, Unterhaltung, Reisen - aus jedem Segment seien Partner denkbar, so Schmetz. Gerade für personalisierte Services sieht er ein hohes Potenzial.

Auf Seiten der Content Provider ist der Aufwand, die Internetangebote für die Sprachtelefonie fit zu machen, seiner Ansicht nach nicht sehr groß. Ein Großteil der Arbeit sei schon gemacht. Beispiel Lufthansa: Die Airline habe bereits die entsprechende Datenbank, so dass nur noch eine einfache Oberfläche in der Internetprogrammiersprache HTML geschrieben werden müsste, damit der Nutzer An- und Abflugzeiten per Spracherkennung abrufen könne, meint Schmetz.

Auch wenn Festnetzbetreiber Mannesmann Arcor bei Talking Web mit im Boot ist, betont der Cyberlab-Chef, dass das System völlig offen sei, "sowohl, was die Zusammenarbeit mit Telekommunikationsfirmen als auch den Content Providern anbelangt."

Finanzieren will sich Talking Web, in dessen Entwicklung bisher ein zweistelliger Millionenbetrag gesteckt wurde, über drei Säulen. Die zunächst wichtigste ist der Verkauf der Technologie, das heißt die Vergabe von Lizenzen für die Talking-Web- Software an Telekommunikationsfirmen. Hinzu kommen Einnahmen von den Content Providern, denen laut Schmetz geringe Gebühren für die Verlinkung in den Katalog berechnet werden. Die dritte Säule ist Werbung.

Ein Börsengang des Unternehmens ist für Schmetz zur Zeit kein Thema. Die Expansion in andere europäische Länder kann er sich dagegen durchaus vorstellen. Zunächst hat aber der Aufbau des Angebotes in Deutschland und den USA Priorität.

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