Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.02.2002

16:19 Uhr

Bush eröffnet Spiele - Dollars und Doping

Salt Lake 2002: Sportfestival der Superlative

Die ersten Winterspiele im neuen Jahrtausend sind ein Meilenstein in der 106-jährigen Geschichte Olympias. Noch nie trafen sich so viele Sportler zum Weltsportfestival auf Eis und Schnee, nie zuvor wurde mehr Geld investiert und verdient. Das Thema Nummer eins bei den Spielen der Superlative ist aber die Sicherheit.

dpa SALT LAKE CITY. Knapp fünf Monate nach den Terroranschlägen in New York und Washington sollen die XIX. Olympischen Winterspiele vom 8. bis 24. Februar in Salt Lake City einen Beitrag bei der Rückkehr zur Normalität leisten. "Es ist jetzt wichtiger denn je, dass die Spiele stattfinden", unterstrich IOC - Präsident Jacques Rogge die Bedeutung des größten Wintersport- Ereignisses.

Wenn die Mehrzahl der 2531 Sportler aus 77 Ländern am Freitag ins Rice-Eccles-Stadion einmarschiert, ist erstmals bei Winterspielen auf amerikanischem Boden auch der US-Präsident unter den 55 000 Zuschauern. George W. Bush wird den 17-tägigen Wettbewerb um 477 Medaillen in 78 Entscheidungen eröffnen. Das erste Gold wird am Samstag im 15-km-Freistilrennen der Langläuferinnen vergeben.

Begleitet wird das Spektakel von den umfassendsten Sicherheitsmaßnahmen, die es jemals bei einem sportlichen Mega- Ereignis gegeben hat. Über 325 Mill. Dollar des 1,31 Mrd. Dollar betragenden Etats wurden für den Schutz der Spiele ausgegeben. Diese Summe liegt über dem Gesamtbudget der Winterspiele in Lake Placid 1980. "Ich denke, an keinem Ort der Welt sind die Sicherheitsvorkehrungen besser als hier", sagte Hilde Gerg.

Die Slalom-Olympiasiegerin von Nagano wird am Freitag beim Einzug der Mannschaft als erste Alpine überhaupt mit der deutschen Fahne voran marschieren. "Es ist eine Ehre, dass ich die Fahne tragen darf. Ich werde diesen Augenblick in meinem Leben sicher nie vergessen", meinte die 26-jährige Lenggrieserin.

Auf unvergessliche Momente hoffen auch andere im Team des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Georg Hackl strebt bei seiner fünften Olympia-Teilnahme nach dem vierten Triumph in Folge. Damit würde er zum erfolgreichsten deutschen Winter-Olympioniken überhaupt werden. Bei der Jagd nach den Medaillen gelten vor allem die Skispringer, Biathleten, Eisschnellläuferinnen, Bobfahrer und Rodler als aussichtsreiche Kandidaten. Chancen haben aber auch die Nordischen Kombinierer und die Snowboarder.

In Nagano war die deutsche Mannschaft vor vier Jahren mit zwölf Gold,- neun Silber- und acht Bronzemedaillen zum zweiten Mal nach Albertville 1992 erfolgreichstes Team. Dies ist auch in Salt Lake City der Anspruch. "Unsere Wintersportler haben in den vergangenen Monaten gezeigt, dass sie zur Weltspitze gehören. Deshalb kann man erwarten, dass sie die Resultate von Lillehammer und Nagano wiederholen", erklärte Chef de Mission Walther Tröger zwei Tage vor dem Beginn der Spiele.

Deren Austragung war gleich zwei Mal gefährdet. Als im Dezember 1999 bekannt wurde, dass die Mormonenmetropole bei der Vergabe vier Jahre zuvor mit Millionensummen nachgeholfen hatte, löste dies den größten olympischen Skandal aus. Die "Macher" Tom Welch und Dave Johnson mussten gehen - in Mitt Romney kam der Retter. Der 53-Jährige sanierte das vor dem Bankrott stehende Organisationskomitee SLOC, das nun sogar mit einem zweistelligen Millionenbetrag als Gewinn rechnen kann.

Ein Geschäft macht auch das Internationale Olympische Komitee. 37 Mill. Dollar Rekord-Überschuss aus diesem Jahr erhöhen das Guthaben auf 147 Mill. Dollar. Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Mit großer Besorgnis sieht die IOC-Führung dem Eröffnungstag entgegen. Neben der Sicherheitsfrage sorgen sich die Olympier darum, dass neue Doping-Enthüllungen und ausufernder Patriotismus der Gastgeber das Fest des Sports und des Friedens stören.

Wenige Stunden vor der Eröffnung am Freitag wird Richard Pound als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) alle im Vorfeld ertappten Sünder namhaft machen. Durch die Kurzfristigkeit könnte das IOC in die Bredouille geraten, weil die betroffenen Athleten im Schnellverfahren an ihrer Olympia-Teilnahme gehindert werden müssten. Im Fall der Langläuferin Natalja Baranowa-Masolkina ist dies bereits geschehen. Die Russin wurde am Mittwoch vom Internationalen Skiverband (FIS) wegen Dopings von Olympia ausgeschlossen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×