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05.02.2003

09:21 Uhr

Bush-Plan beflügelte die Börse bisher nicht

Steuerreform hilft gewinnstarken US-Aktien

VonTobias Moerschen

Das ging gründlich daneben. US-Präsident George W. Bush wollte die Aktienmärkte nach oben puschen, als er vorschlug, die Doppelbesteuerung von Unternehmensgewinnen abzuschaffen. Nach Schätzungen des amerikanischen Finanzminsteriums sollte der Plan die Aktienkurse um sieben Prozent in die Höhe treiben. Doch stattdessen fielen die Börsen.

NEW YORK. Jede Menge Kritik kommt von Analysten, die den Bush-Plan unter die Lupe genommen haben: "Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass der Vorschlag in seiner aktuellen Fassung durchkommt", sagt beispielsweise Pat Mc Connell, Steuerexpertin bei der New Yorker Investmentbank Bear Stearns und Mitautorin einer Studie zum Bush-Plan. Fazit der Studie: Der tatsächliche Steuervorteil für die Aktionäre ist begrenzt. So hätten nur elf der dreißig Mitgliedsunternehmen im Aktienindex Dow Jones Industrial Average ihre Dividenden im vergangenen Jahr komplett steuerfrei an ihre Aktionäre ausschütten können, wäre der Bush-Plan bereits damals in Kraft gewesen.

Eine Wirkung hatte der Vorschlag jedoch: Er lenkte die Aufmerksamkeit von Aktionären und Unternehmen mehr auf die Gewinne und Dividenden. So verkündete etwa der weltgrößte Software-Anbieter Microsoft kurz nach Bekanntwerden des Plans, er wolle erstmals eine Dividende zahlen. Bisher hatte Microsoft dies hartnäckig mit dem Hinweis auf den steuerlichen Nachteil von Dividendenzahlungen abgelehnt. "Diese Ausrede klang immer hohl, jetzt fällt sie bald völlig weg", heißt es in einer Studie der Investmentbank Morgan Stanley.

Gewinnrenditen als wichtiges Anlagekriterium

Unmittelbar profitieren von der geplanten Reform nur Anleger, welche in den Vereinigten Staaten ihre Einkommensteuer zahlen. Aber noch wichtiger könnten die Folgen für einzelne Aktien und Branchen sein. Und darauf kann jeder Investor spekulieren. Die größten Gewinner sind nach Ansicht des US-Wertpapierhauses Merrill Lynch Aktien mit hohen Gewinnen im Verhältnis zum Aktienkurs (Gewinnrendite, entspricht dem Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses). "Hohe Gewinnrenditen und stabile, hohe Dividendenauschüttungen sind dieses Jahr besonders wichtige Anlagekriterien - das gilt auch unabhängig von Steueraspekten", sagt Richard Bernstein, US-Chefstratege von Merrill Lynch.

Bernstein rät Anlegern, Aktien aus Branchen wie Öl, Rüstung und Pharma besonders stark zu gewichten. Viele US-Unternehmen aus diesen Bereichen zeichnen sich durch relativ günstige Bewertungen und stabile Dividenden aus. "Wenn klar wird, dass wesentliche Teile des Bush-Plans den Gesetzgebungsprozess überstehen, könnten Aktien mit hohen Gewinnrenditen besonders profitieren", sagt auch Mc Connell.

Die Bear-Stearns-Analystin weist darauf hin, dass der Gewinn - nicht die Dividende - die entscheidende Orientierungsgröße ist. Denn das US-Finanzministerium machte vor einigen Tagen klar: Nicht nur die Dividendenzahlungen sollen steuerlich begünstigt werden, sondern auch die Kurssteigerungen durch reinvestierte Unternehmenserträge. Damit werden künftig auch solche Unternehmen begünstigt, die ihre Gewinne nicht an die Aktionäre ausschütten. "Dieser Aspekt scheint bei vielen Investoren noch nicht angekommen zu sein. Bislang konzentriert sich die Debatte zu sehr auf die Dividenden", schreibt Merrill- Analyst Adrian Redlich in einer aktuellen Studie zum Steuerplan.

Steuer reißt tiefes Loch in das Steuersäckel

In der Praxis wirft die Bush-Initiative jedoch noch viele Probleme auf. So protestieren nicht nur Bushs politische Gegner, weil der Plan die reicheren Anleger stärker entlastet als die weniger Vermögenden. Denn die Höhe der bisherigen Einkommensteuer auf Dividendenerträge richtet sich - wie auch in Deutschland - nach dem einkommensabhängigen Steuersatz. Hinzu kommt, dass der Verzicht auf Dividendensteuern im Aktienland USA ein tiefes Loch in das Steuersäckel reißen würde. Merrill Lynch geht von Einnahmeausfällen in Höhe von 364 Mrd. Dollar über einen Zeitraum von zehn Jahren aus.

Andererseits hat Präsident Bush in seiner bisherigen Amtszeit bereits einige radikale Reformen durchgesetzt, die ihm zuvor kaum jemand zugetraut hatte. Die Wette auf die potenziellen Gewinner seiner Gewinnreform könnte daher trotz allem aufgehen - und der erhoffte Anstieg der Aktienmärkte kommt womöglich noch, allerdings mit Zeitverzögerung.

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