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27.01.2007

09:29 Uhr

Business Behaviour

Keine Lilien für die Frau vom Chef

VonGabriele Schlegel

Mitarbeiter oder Kunden nach Hause einladen? Für viele ist das ein Albtraum. Manche Entscheider setzen ihre Nachwuchskräfte samt Partner aber bewusst dieser Situation aus. Um so unauffällig zu checken, wie sie sich auf dem gesellschaftlichen Parkett halten und wie der Partner einzuschätzen ist.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Bahaviour an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Bahaviour an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Manchmal muss man sich mit einem Essen revanchieren. Oder man muss nach Hause einladen, weil es im Ausland gang und gäbe ist und der amerikanische Geschäftspartner selbst auch den Vertriebschef ins heimische Wohnzimmer eingeladen hatte. Viele Entscheider wollen ihre Nachwuchskräfte samt Partner dieser Situation auch bewusst aussetzen. Um so unauffällig zu checken, wie sie sich auf dem gesellschaftlichen Parkett halten und wie der Partner einzuschätzen ist. Ob er die Karriere unterstützt oder eher nicht. Einem Assistenzarzt, der bei seinem Professor zu Hause eingeladen war, fiel - vor lauter Aufregung - beim Aufstehen vom Tisch der Stuhl um. "Na, wenn Sie so auch operieren, wird?s ja heiter", blaffte ihn der Chef an - vor versammelter Mannschaft. Dem Assistenzarzt war es hochnotpeinlich. Der Graben, der sich an diesem Abend auftat, schloss sich nie wieder.

Dass der Gastgeber bei diesen Einladungen selbst kochen muss, ist nicht nötig. Ein guter Caterer tut?s auch. Für die Gäste jedoch gelten diese Spielregeln: Blumen zu schenken ist ein Muss - nur bitte nicht selbst mitbringen. Das bringt die Gastgeber nur in Stress: die Suche nach der passenden Vase, die Suche nach einem Ehrenplatz für die Blumen, das Herumpantschen mit Wasser trotz des feinen Dress. Und das schlimmstenfalls für mehrere Sträuße gleichzeitig - all das muss nicht sein. Kommen Sie ruhig mit leeren Händen, der Gastgeber ist froh darüber. Gute Gäste schicken Blumen am selben Vormittag oder wenigstens am nächsten Tag. Stilvoll ist es, ein Dankeskärtchen - bitte eigenhändig geschrieben und nicht dem Blumenhändler diktiert - hinzuzufügen. Wenn Sie bei den Gastgebern keine Irritationen auslösen wollen, wählen Sie weder rote Rosen noch Lilien - die riechen zu intensiv. Bei Asiaten und Indern sind weiße Blumen tabu, sie gelten als Trauerblumen.

Was einem Gastgeber nur in den eigenen vier Wänden passieren kann: dass man noch in Straßenkleidung den Gästen die Tür öffnet, weil diese zu früh kommen. Sich dann zurückzuziehen, um sich fein zu machen, wirkt drollig. Es bleibt nur eine Möglichkeit: Sie flüchten sich in die Privatgemächer, ohne sich zu zeigen. Gibt es Personal, so muss dies die Gäste empfangen, sie ins Wohnzimmer begleiten, Getränke servieren - und wieder abtreten. Sind Kinder des Hauses da, müssen sie einspringen - aber die müssen sich dazusetzen und Small Talk üben.

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