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24.01.2005

13:00 Uhr

Business Behaviour

Peinliche Stille im Fahrstuhl

Smalltalk ist keine Bühne für Grundsatzdiskussionen. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Gabriele Schlegel ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

HB DÜSSELDORF. Wer kennt die Situation nicht: Sie stehen zusammen im Aufzug mit einem Kollegen, den Sie nur vom Sehen kennen, dem Sie nur selten begegnen. Sie wissen nichts voneinander, jedenfalls nichts Persönliches, und so langsam wird die Stille bedrückend. Ein souveräner Vorgesetzter fängt nun ein Gespräch an. Der Etikette nach ist er an der Reihe, die Unterhaltung zu eröffnen.

Doch wenn er weniger gewandt ist oder auf der selben Hierarchiestufe steht, ergreifen Sie ruhig die Initiative. Fragen Sie ihn etwas. Montags etwa, wie das Wochenende war. Freitags, ob man etwas plant fürs Wochenende. Je nach Jahreszeit kann man nach dem nächsten oder letzten Urlaub fragen. Notfalls gibt auch die Wetterlage einen kurzen Austausch her. Das Wichtigste beim Smalltalk ist, sein Gegenüber genau zu beobachten, gut zuzuhören, auf Details zu achten und aufmerksam zu sein - dann ergeben sich automatisch Punkte zum Einhaken. Vielleicht trägt er einen besonderen Schal, eine antike Armbanduhr oder eine ausgefallene Aktentasche. Und wenn es nur die Menükarte der Kantine ist - fast alles liefert Stoff für einen höflichen, kurzen Smalltalk.

Unerträglich ist es, wenn Leute so uncharmant sind und den anderen, der sich gerade um ein Gespräch bemüht, auflaufen lassen. Etwa indem sie nur mit Ja oder Nein antworten. Gesprächskiller sind auch die Gutmenschen oder Besserwisser, die sich gleich erheben müssen - auf Kosten des anderen. Sie maßregeln den anderen ungeniert für eine harmlose Äußerung: "Wie können Sie so etwas sagen!" - und bringen so unnötige Schärfe ins Gespräch. Wer andere brüskiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nicht mehr angesprochen wird.

Selbst wenn ein Kollege eine Äußerung macht, zu der Sie nicht Stellung nehmen wollen oder die Sie nicht einmal zur Kenntnis nehmen mögen - meine "Apropos"-Lösung eröffnet immer den eleganten Ausweg: Sie lassen es unkommentiert und wechseln einfach das Thema. Etwa so: "Apropos, haben Sie schon den neuen Kaffeeautomaten ausprobiert?" Mimen Sie den Arglosen. Das funktioniert auch bestens, wenn jemand einen Witz erzählt, der daneben geht. Gar nicht erst darauf eingehen. Smalltalk ist keine Bühne für Grundsatzdiskussionen.

Eindrucksvoll führte mir das einmal eine Hamburgerin vor, die einem Herrn zuhören musste, der sich ereiferte über die Top-Einkünfte der "Drei Tenöre". Stur blieb sie dabei, wie populär die Sänger doch seien. Mehr Tiefgang ließ sie einfach nicht zu. Sie nahm in Kauf, dass wir sie für naiv hielten - bis sie mir irgendwann unauffällig zuzwinkerte.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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