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19.03.2006

10:00 Uhr

Business Behaviour

„Und wie viel hat das gekostet?“

Preise erfragen ist ohnehin ein heikles Thema. Allenfalls die Rheinländer gehen mit dieser Frage recht offen und ungeniert um, witzelt auch immer wieder der Kabarettist Konrad Beikircher, wenn er sie imitiert: "Watt soll datt dann kosten?"

Der Personalchefin blieb die Spucke weg. Im Aufzug begegnete sie der neuen Mitarbeiterin der Rechtsabteilung, und die machte ihr zuerst ein nettes Kompliment: "Sie tragen einen sehr schönen Hosenanzug." Bis dahin ganz regelgerecht, fast wie amerikanischer Small Talk - es dient halt der Überbrückung der Stille im Aufzug. Doch dann kam?s: "Der war sicher auch nicht billig." fuhr sie fort. Und setzte gleich noch eins oben drauf: "Mit meinem Budget hätte ich mir den nicht leisten können." Und genau da wurde deutlich jede Distanzzone überschritten.

Preise erfragen ist ohnehin ein heikles Thema. Allenfalls die Rheinländer gehen mit dieser Frage recht offen und ungeniert um, witzelt auch immer wieder der Kabarettist Konrad Beikircher, wenn er sie imitiert: "Watt soll datt dann kosten?" Und schon eine Frage nach dem Preis eines Kleidungsstücks, einer Aktentasche oder einer Uhr empfinden Menschen in anderen Regionen unseres Landes als Unverschämtheit. Nicht so der Rheinländer, der am liebsten gleich versichert, dass es schrecklich preiswert und ein Schnäppchen war. Auch international sieht es so aus: In einigen Regionen Chinas kann die Frage nach dem Preis sogar als Wertschätzung empfunden werden. Auch in den USA ist Geld nicht unbedingt ein Tabuthema.

Doch zurück zur Personalchefin: Diese Bemerkungen der jüngeren Mitarbeiterin zeigten vor allem eins - und das bemerkenswert unverhohlen: den blanken Neid. Nur wie damit umgehen? Zunächst einmal ist es in so einer Lage immer möglich, so eine unangenehme Frage zu überhören. Einfach etwas komplett anderes antworten mit einem Themawechsel wie "Ja, nicht wahr, mögen Sie auch Karo-Muster so gerne leiden?" Geben Sie den Ahnungslosen.

Oder Sie beweisen Interesse an den jungen Kollegen und für die Firma und belehren auch mal. Das kann aber nur derjenige machen, der hierarchisch höher angesiedelt und zudem der Ältere ist. Früher hätte sich ein althergebrachter Lehrmeister diese Frage nicht gestellt, sondern unvermittelt seiner Empörung Luft gemacht - und der Lehrling hätte etwas gelernt. Doch diese Zeiten sind vorbei, und junge Mitarbeiter bekommen selten die Chance, neben beruflichen Erfahrungen auch Regeln des Sozialverhaltens zu erlernen. Die Mühe macht sich heute keine Firma mehr, man trennt sich lieber nach der Probezeit oder befördert jemanden weg - und der Betroffene erfährt nie, dass es nicht an mangelnder fachlicher Kompetenz lag, sondern am unangemessenen Sozialverhalten.

Schwieriger wird es, wenn solche Verbalattacken von Vorgesetzten kommen. Ich rate auch hier zum Überhören - und nicht darauf einzugehen. Sonst ernten Sie - wenn Sie Pech haben - am Ende nur noch einen dummen Spruch obendrein nach dem Motto: "Sie verdienen hier wohl zu gut."

Business Behaviour

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