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10.01.2005

15:00 Uhr

Business Behaviour

Was wir vom amerikanischen Smalltalk lernen können

How are you? Die Amerikaner machen es sich beim Smalltalk einfach. Möchten auch Sie eine Benimm-Frage geklärt haben? Schreiben Sie Gabriele Schlegel! Fragen und Antworten dokumentieren wir  hier.

HB DÜSSELDORF. Sie begrüßen sich gegenseitig mit der immer gleichen, höflichen Frage "How are you?" Die Reaktion ist ganz klar: Die einzig gangbare Antwort lautet "Thanks, fine" - um gleich darauf selbst zurückzufragen. Die ehrliche, womöglich ausschweifende Antwort will niemand ernsthaft hören. Es geht nur um die Höflichkeit. Die Floskeln beweisen nur den Respekt vor dem anderen. Und das allein ist auch ein Wert. Wenn also in den USA jemand seinem Chef im Aufzug begegnet und dieser ritualisierte Dialog läuft ab, ist der Form vollends entsprochen. Mehr braucht es nicht. Langes Grübeln - "Was sag ich bloß?" - ist obsolet.

Dauert die Aufzugfahrt länger, folgen Fragen wie: Wie war Ihr Wochenende? Oder haben Sie dieses oder jenes Baseball- oder Football-Spiel gesehen? Sport spielt in der US-Kultur eine - für uns - unvorstellbar wichtige Rolle. Geschäftsreisende nach USA sollten sich über die Ergebnisse der großen Sportteams aus der Region des potenziellen Kunden oder Kooperationspartners schlau machen, bevor sie ankommen. Einen besseren Gesprächseinstieg als kompetent über die bekannten Football-, Basketball- und Baseball-Mannschaften mitreden zu können, gibt es nicht.

Sie meinen, das sei oberflächlich? Das kann ich nicht finden. Keine Nation versteht es so gut, Freundlichkeit und Interesse auszudrücken, wie die Amerikaner. Sie fragen auch im Business-Umfeld sehr schnell nach dem Befinden der Familie - besonders nach dem der Kinder, da diese in den USA eine extrem wichtige Rolle spielen. Rechnen Sie damit, dass man Sie beim nächsten Treffen auf Ihre Antworten ansprechen wird. Und weil Amerikaner jede Gelegenheit nutzen, Kontakte zu knüpfen, werden Gespräche auch schnell wieder beendet. Diese Manier ist aber nicht unhöflich, sondern professionell.

In den USA gilt es gemeinhin als unfreundlich, sich anzuschweigen. Aber Vorsicht: In der deutschen und in der amerikanischen Kultur gibt es Punkte, die man beim Smalltalk großräumig umschiffen sollte. Ich warne vor politischen Themen, sozialen oder religiösen Fragen. Insbesondere nationale Vergleiche sind Super-Stolpersteine. Schließlich sind Amerikaner stolz auf ihr Land. Dieses Bewusstsein ist bei uns abhanden gekommen, und als Deutscher läuft man Gefahr, im Gespräch Menschen zu verletzen - ohne es zu ahnen oder zu wollen.

Was beim Umgang mit Amerikanern weiterhin wichtig ist, gilt im Grunde überall auf der Welt: Belehren Sie nicht in einem Gespräch. Sollte Ihnen ein Gesprächspartner von seinen eigenen Erfolgen berichten - was in der amerikanischen Kultur üblich und erwünscht ist - sollten Sie so reagieren: Wertschätzend, wertschätzend und wieder wertschätzend. "I am impressed", "That's wonderful", "That's great" klingt nur für uns übertrieben.

Apropos: In einem Punkt sollten Sie Amerikaner um Himmels willen nicht beim Wort nehmen: Wenn sie Sie spontan einladen und sagen "Come and see us" , "Please call me anytime" oder "Let's get together for lunch". Ernst gemeint sind solche Einladungen nur dann, wenn konkrete Tages- und Uhrzeitangaben dabei sind.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr:  hb.behaviour@vhb.de.

Die Fragen und Antworten sind nachzulesen unter  www.handelsblatt.com/behaviour.

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