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14.01.2007

09:30 Uhr

Business Behaviour

„Wie halten Sie den Gestank aus?“

VonGabriele Schlegel (Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg)

Auch wenn Mitarbeiter manchmal über ihre eigene Firma schimpfen oder Witze machen - als Unternehmensfremder sollten sie dies beim Gespräch mit Angestellten tunlichst vermeiden.

Der Partner einer internationalen Unternehmensberatung besuchte einen Kunden in Süddeutschland und wurde von einer Führungskraft durch die Produktion geführt. Dort entfuhr dem Mann der eine fatale und folgenschwere Satz: "Wie halten Sie es hier nur aus bei dem Gestank?" Doch was der Berater gedankenlos und in Kumpelmanier dahergesagt hatte, sorgte am Ende dafür, dass er dieses Unternehmen kein zweites Mal mehr betreten durfte. Er hatte den Stolz der Belegschaft einfach unterschätzt: Und wenn es noch so stark riecht, so wird doch ein Produkt hergestellt, auf das die Mitarbeiter stolz sein wollen. Auch wenn sie nicht die Firmeninhaber sind, so wollen sie doch ihren Gutteil zum Erfolg ihrer Firma beitragen und in dieser Rolle auch gewürdigt sein. Und die Beraterfirma musste hart darum kämpfen, den Auftrag nicht ganz zu verlieren. Es gelang nur unter der Bedingung, dass dieser eine Senior-Berater nicht mehr kommen durfte. Fest steht: Selbst wenn Mitarbeiter zuweilen über ihr eigenes Unternehmen schimpfen wie die Rohrspatzen, bedeutet das nicht, dass sie dasselbe anderen - Unternehmensfremden - erlauben. Sie dürfen das, weil sie jeden Tag aufs Neue hier ihrer Arbeit nachgehen, sie beziehen ihren Lohn und Lebensunterhalt von dort und sind ohnehin mit der Firma schicksalhaft verwoben.

Ein bisschen Nestbeschmutzung darf sein. Und nicht nur das. Firmenkantinen haben geradezu den Sinn, dass die Kollegen beim Mittagessen ordentlich tratschen, lästern und schimpfen sollen - um anschließend wieder an ihre Arbeit zu gehen, irgendwie erleichtert. Nur andere, die dürfen nicht ungestraft über die Firma herziehen - denn das würde mangelnden Respekt bedeuten. Und wenn sich die Situation ergibt, dass ein Kunde von einem bestimmten Mitarbeiter auf keinen Fall mehr betreut werden will und sich über denjenigen womöglich ausdrücklich beschwert hat, bleibt einer Firma keine Wahl mehr - Benimm-technisch gesehen. Ein Zusammentreffen der beiden muss ausgeschlossen werden, egal wie persönlich ein Mitarbeiter das nimmt. Ein Kunde, der dem Unternehmen auf diese Weise eine zweite Chance gibt, darf dafür nicht bestraft werden.

Und wenn eine Firma - so wie jüngst ein Softwarehersteller, der sich bei einer berechtigten Beschwerde bedingungslos vor seinen ungehobelten Mitarbeiter stellte - das nicht versteht, wird sie ihre Quittung bekommen. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann auf alle Fälle. Denn so sehr lässt sich kein zahlender Kunde erniedrigen, dass er so eine zweifache Zurücksetzung vergisst.

Redaktion: Claudia Tödtmann

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