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28.04.2003

15:51 Uhr

Butt und Lauth nachnominiert

Auch Kapitän Kahn geht von Bord

Oliver Kahns Abreise hat das Länderspiel gegen Serbien und Montenegro zu einer Farce gemacht, aber auch mit einer mühsam zusammengeschusterten Not-Elf rückt Rudi Völler von seiner Zielsetzung keinen Millimeter ab. "Trotz der vielen Ausfälle - wir sind wieder einmal dran, dass wir ein Spiel gewinnen müssen", sagte der nach einer wahren Absageflut leidgeprüfte DFB-Teamchef zwei Tage vor dem Freundschaftsspiel am Mittwochabend (20.40 Uhr/ARD) im Bremer Weserstadion.

Rudi Völler muss improvisieren. Foto: dpa

Rudi Völler muss improvisieren. Foto: dpa

HB/dpa BREMEN. Der letzte Erfolg des Vize-Weltmeisters gegen die Färöer-Inseln (2:1) liegt immerhin bereits mehr als ein halbes Jahr zurück - ein weiterer Imageverlust soll vermieden werden.

Beinahe im Stundentakt wurde Völler am Montag von immer neuen Hiobsbotschaften aus der medizinischen Abteilung heimgesucht, deren negativer Höhepunkt der Ausfall des Kapitäns war. Als sich Völler mittags im noblen Bremer Parkhotel als Überbringer der schlechten Nachrichten vor die Presse begab, saß der Torhüter längst wieder im Flugzeug nach München. Nachdem Kahn am Samstagabend die Meisterfeier des FC Bayern verpasst hatte, verhindert nun eine Kapselverletzung am Ellbogen sein Mitwirken im Weserstadion. Völler gewann der Sache trotzdem noch etwas Positives ab: "Bei Ollis Nebengeräuschen ist es sicher gut, dass er etwas zur Ruhe kommt", meinte der Teamchef.

Von ruhiger Vorbereitung auf sein 36. Länderspiel konnte für Völler dagegen am ersten Trainingstag in Bremen keine Rede mehr sein. Neben Kahn musste nach Jens Jeremies und Dietmar Hamann, die sich schon am Sonntag abgemeldet hatten, auch noch der Leverkusener Oliver Neuville wie erwartet wegen einer "leichten Zerrung" passen. Und hinter der Einsatzfähigkeit des Schalker Jörg Böhme (Bluterguss in der Wade) sowie des Wolfsburgers Tobias Rau (Hüftprellung) stehen ebenfalls ernsthafte Fragezeichen. Nach Gerald Asamoah (Schalke) und dem Bremer Fabian Ernst nominierte Völler den Leverkusener Torhüter Jörg Butt sowie für den Sturm Benjamin Lauth (1860 München) nach.

Völler muss am Mittwoch praktisch ein gesamtes Team ersetzen. Es verbleibt ihm eine Verlegenheits-Elf ohne einen einzigen Spieler vom neuen deutschen Meister FC Bayern und ohne eine echte Führungsfigur, denn die Option einer Nachnominierung von Michael Ballack hatte sich zerschlagen. "Es ist wichtiger, dass er nach seiner Fußverletzung ein vernünftiges Aufbau-Training macht und im Juni gegen Schottland hundertprozentig fit ist", bekräftigte Völler.

Die Absageflut belebte die Diskussion über den umstrittenen Länderspiel-Termin im April aufs Neue, auch wenn Völler auf diesen nicht verzichten will. "Solange es ihn gibt, werden wir versuchen, das Beste daraus zu machen", sagte der 43-Jährige, der hofft, dass aus der (Personal)-Not eine Tugend wird: "Auch unter diesen Voraussetzungen ist ein Test interessant. Es ist wichtig zu sehen, wie sich diejenigen, die nicht so oft zur ersten Garnitur gehören, unter extremen Wettbewerbsbedingungen präsentieren."

Die verbliebene Rumpftruppe, die höchstwahrscheinlich erstmals vom Dortmunder Christian Wörns als Kapitän angeführt wird, stellt sich fast von selbst auf, angefangen beim Schalker Frank Rost im Tor. Im Mittelfeld, wo die Not am größten ist, verbleibt praktisch der ehemalige Bremer Torsten Frings als einziger Hoffnungsträger für Kreativität im Offensivspiel. Allein im Sturm verfügt Völler mit Miroslav Klose, Fredi Bobic, Kevin Kuranyi und Lauth über mehrere Variations-Möglichkeiten.

"Wichtig ist, dass die Spieler, die zum Einsatz kommen ihre Chance nutzen und Gas geben", erklärte Völler. Denn nach den jüngsten 1:3- Niederlagen in den Testspielen gegen die Niederlande und Spanien sowie dem blamablen 1:1 in der EM-Qualifikation gegen Litauen steht auch mit dem verbliebenen "B-Team" der eh schon angekratzte Ruf des Vize-Weltmeisters weiter auf dem Spiel. Das weiß auch das verbliebene Häufchen der Einsatzfähigen: "Es geht nicht um ein schönes Spiel. Es ist wichtig, dass wir mal wieder einen Sieg landen", sagte Bobic.

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