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05.03.2003

16:23 Uhr

BVI: Anlegerschutz wird damit verbessert

Fondsbranche begrüßt Zulassungspläne

Deutsche Fondsmanager haben die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Pläne des Bundesfinanzministeriums zur Zulassung von Hedgefonds in Deutschland grundsätzlich begrüßt. "Wir begrüßen rechtliche Sicherheit für den Aufbau und den Vertrieb solcher Fonds. Aber Pläne für eigene Produkte in Deutschland wird man erst machen, wenn man die Details genau kennt", sagte Heinrich Durstewitz, Sprecher der Fondsgesellschaft DIT, am Mittwoch. Die deutsche Finanzbranche könnte sich dadurch ein neues Betätigungsfeld erschließen.

Reuters FRANKFURT. "Es gibt dafür ein großes Potenzial", sagte Achim Pütz, Anwalt bei SJ Berwin Knopf Tulloch Steiniger, der 1997 den Bundesverband Alternative Investments (BAI) mit aus der Taufe gehoben hatte.

Allerdings sind nach Experteneinschätzung Hedgefonds als risikoreiche Anlage nicht für jedermann geeignet.

Hedgefonds können die Gelder ihrer Kunden vor allem in Derivate investieren und so auch bei fallenden Aktienkursen Gewinne erwirtschaften. Dazu werden aber weitaus höhere Risiken als bei anderen Fonds eingegangen. 1998 war diese Anlageart erstmals in den Blickpuntk der breiten Öffentlichkeit geraten, als sich ein Fonds namens LTCM mit Milliarden-Summen verspekuliert und die Anteilseigner in Schwierigkeiten gebracht hatte.

Angesichts rechtlicher und steuerlicher Hürden haben sich deutsche Banken bislang mit Zertifikaten geholfen, mit denen Anlagestrategie wie bei Hedgefonds nachgebildet werden können. Die ersten Zertifikate, mit denen Hedgefonds-Strategien nachgebildet werden könne, wurden im Februar 2000 aufgelegt.

Derzeit haben diese ein Volumen von mindestens 3,5 Milliarden Euro, was die starke Nachfrage nach alternativen Investments angesichts fallender Aktienkurse illustriert. In den vergangenen drei Jahren hat der Deutsche Aktienindex (Dax) zum Teil Einbußen von mehr als 40 Prozent hinnehmen müssen.

BVI: Anlegerschutz wird damit verbessert

"Wir begrüßen es, dass solche Produkte in Zukunft gesetzlich reglementiert werden. Das dient dem Anlegerschutz, im Moment weiß man oft nicht einmal, was in einem solchen Fonds enthalten ist", sagte Andres Finck, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Investment- und Vermögensverwaltungsgesellschaften. "Wichtig wird sein zu erfahren, ob die Vorschriften über den Investitionsgrad verändert werden", fügte er hinzu. Derzeit darf der Investitionsgrad nur bei 100 Prozent liegen, ein Fonds darf also nicht mehr Mittel riskieren, als er Anlagegelder bekommen hat. Hedgefonds haben aber oft einen Investitionsgrad von mehreren 100 Prozent. Sie können also mehr verlieren als sie einsetzen, aber auch überproportionale Gewinne einstreichen.

Keine Jedermann-Anlage

"Das ist keine Anlage für die Oma um die Ecke", warnte Rolf Drees, Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment, die derzeit Überlegungen zum Aufbau entsprechender Produkte anstellt. "Das sind sehr, sehr erklärungsbedürftige Produkte, die nur von besonders ausgebildeten Beratern verkauft werden dürften", sagte er. Auch seien sie wohl eher für sehr vermögende und risikobewusste Kunden interessant.

Obwohl Experten für Hedgefonds in Deutschland durchaus Nachfrage sehen, hänge der Erfolg solcher Produkte auch von der Besteuerung ab. Es bleibe abzuwarten, ob die derzeit ausgesprochen hohen Steuerlasten für Hedgefondsanlagen zurückgenommen würden, hieß es.

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