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27.01.2003

14:47 Uhr

Calmund: „Das ist wie ein Albtraum“

Alarm unter dem Bayer-Kreuz

Protestierende Fans, fassungslose Verantwortliche und sprachlose Spieler - beim deutschen Vizemeister Bayer Leverkusen herrscht Alarmstimmung. "Das ist wie ein Albtraum. Wenn wir diese Lähmung bis zum Schluss behalten, werden wir Tabellenletzter", meinte Geschäftsführer Reiner Calmund nach dem 0:3- Debakel zum Rückrundenauftakt gegen Energie Cottbus.

HB/dpa LEVERKUSEN. Die anhaltende sportliche Krise und die verzweifelte Lage beim vorjährigen Champions-League-Finalisten dokumentierte ein blamabler Auftritt des gegen das Bundesliga-Schlusslicht aus der Lausitz. "Jetzt wird es schwierig Ruhe zu halten, aber wir dürfen nicht bekloppt spielen", mahnte Calmund.

Im Kreuzfeuer der Kritik: Trainer Klaus Toppmöller. Der Bayer - Coach hat mit seiner Aussage in der Winterpause, vier verlorene Spiele in Folge werde er wohl nicht überstehen, selbst den Countdown eingeleitet. "Ich weiß, was die Stunde geschlagen hat", sagte Toppmöller und betonte: "Der Verein hat mir das Vertrauen ausgesprochen". Calmund begründet die Rückendeckung für den Coach vor allem mit der personellen Situation: "Es wäre unfair, dem Trainer etwas anzulasten. Wenn so wichtige Spieler ausfallen, muss man ihm das zugute halten. Wir werden die Trainerfrage nicht diskutieren und auch keine Fristen setzen."

Dennoch steht nicht nur für den Club, sondern auch für den Trainer in den nächsten drei Auswärtspartien gegen Borussia Dortmund, im Pokal bei der SpVgg Unterhaching und im Punktspiel beim VfL Bochum die Zukunft auf dem Spiel. Vor allem die von Toppmöller nach außen getragene Sicht der Dinge lässt sich auf Dauer nicht verkaufen. Aussagen wie "Wir hatten den jüngsten Kader der Vereinsgeschichte" oder "Jan Simak hat ein ordentliches Spiel gemacht" klingen mehr nach Ausreden als nach realistischer Einschätzung. Die Mannschaft, ob mit den gesperrten Kreativspielern Bernd Schneider und Yildiray Bastürk oder ohne, ist völlig verunsichert und lässt wie schon vor der Winterpause jegliches Selbstvertrauen vermissen. Daran änderte auch die Rückkehr von Kapitän Jens Nowotny nach neunmonatiger Verletzungspause nichts.

Dies wird vor allem deutlich an der Leistung von Torhüter Jörg Butt, der mit seinem Fehlgriff in der 15. Minute beim 0:1 durch Marco Gebhardt das Debakel einleitete. "Das war ein kapitaler Fehler. Nach dem Gegentreffer war er unzurechnungsfähig", sagte Calmund. Toppmöller nahm auch seinen Keeper, den er in der ersten Halbserie schon mal auf die Bank verbannt hatte, in Schutz. "Wenn Torhüter Fehler machen, fallen nun mal Gegentore. Butt ist unser Torwart Nummer eins, und das wird er bleiben", betonte der Bayer-Coach. Auch der von Toppmöller schon als "Pflegefall" bezeichnete Neuzugang Simak konnte bei allem Einsatz die Chance nicht nutzen, sein ramponiertes Image aufzupolieren. Er wirkte wie ein Fremdkörper in dem leblosen Team.

Trotz der bedrohlichen Situation lässt Calmund den Vergleich mit der Saison 1995/96, als sich Bayer erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten konnte, nicht gelten. "Es gibt zwar nichts zu beschönigen, aber noch sind wir nicht auf einem Abstiegsplatz. Das Potenzial der Mannschaft ist besser als das des Teams von 1996", sagte Calmund. Er erinnerte auch daran, dass schon andere prominente Mannschaften Probleme nach einem Höhenflug bekommen haben. Den Ernst der Lage erkannte vor allem Bayer-Profi Hanno Balitsch, der sich im Gegensatz zu seinen meisten Kollegen nach der Pleite äußerte. "Nach dieser Niederlage müssen wir davon ausgehen, dass wir bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg spielen."

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