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16.07.2000

15:25 Uhr

Reuters THURMONT. Beim Nahost-Gipfel im amerikanischen Camp David hat sich auch am Samstag kein Durchbruch abgezeichnet. In israelischen Kreisen hieß es, die Gespräche seien sehr schwierig. Zum Ende des jüdischen Sabbats nach Sonnenuntergang kamen Palästinenser-Präsident Jassir Arafat und Israels Ministerpräsident Ehud Barak mit ihrem Gastgeber US-Präsident Bill Clinton zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. Im Verlauf des fünften Gipfel-Tages hatten die drei Regierungschefs und US-Außenministerin Madeleine Albright bereits eine Reihe informeller Gespräche geführt, wie ein Sprecher Clintons mitteilte.

Die Delegationen berieten US-Angaben zufolge den ganzen Tag über in Arbeitsgruppen die strittigsten Probleme: den Status Jerusalems, die Grenzen eines Palästinenser-Staates und die jüdischen Siedlungen im Westjordanland. In einigen Fällen habe auch Clinton an den Verhandlungen teilgenommen, teilte sein Sprecher mit.

Unterdessen deutete sich an, dass Israelis und Palästinenser möglicherweise auch nach Clintons Abreise nach Japan am Mittwoch weiterverhandeln. In palästinensischen und israelischen Kreisen hieß es, mit neuen Kompromissvorschlägen der USA sei nicht vor Mitte der Woche zu rechnen. Erste Vorschläge der US-Regierung hatten die Palästinenser Ende der Woche als inakzeptabel zurückgewiesen, wie es in Verhandlungskreisen geheißen hatte. Arafat soll dabei mit dem Abbruch des Gipfels gedroht haben. Ein Sprecher Baraks sagte im israelischen Rundfunk, der Gipfel könne aus Baraks Sicht auch um drei oder vier Tage verlängert werden, wenn dies zu einem Ergebnis führe.

Der ägyptische Außenminister Amr Mussa äußerte sich unterdessen vorsichtig optimistisch über die Chancen auf eine Einigung in Camp David. US-Präsident Bill Clinton trete mit Entschlossenheit auf, sagte Mussa dem Nachrichtenmagazin "Focus" einem Vorabbericht zufolge. Möglicherweise sei aber noch mehr Zeit für Gespräche nötig. Keinesfalls dürfe am Ende ein Abkommen stehen, "bei dem die Israelis alles bekommen und die Palästinenser sich mit einem Minimum zufrieden geben müssen", sagte Mussa.



Israel und die Palästinenser hatten im vergangenen Jahr vereinbart, bis zum 13. September einen Friedensvertrag auszuhandeln. Clinton hat gewarnt, wenn es bis dann keine Einigung gebe, drohe neue Gewalt in den israelisch besetzten Gebieten, die zu 40 % unter palästinensischer Selbstverwaltung stehen. Die Palästinensische Befreiungsorganisation PLO hat Arafat ermächtigt, unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen nach dem 13. September einen Palästinenser-Staat auszurufen.

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