Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.07.2000

09:34 Uhr

Camp David

Nahost-Friedensverhandlungen gehen unter Albrights Führung weiter

Entgegen erster Ankündigungen werden die Nahost-Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinenser in Camp David doch fortgesetzt. US-Präsident Bill Clinton sagte am Donnerstagmorgen, Israels Ministerpräsident Ehud Barak und Palästinenser-Präsident Jassir Arafat wollten auf seinem Landsitz Camp David die zunächst für beendet erklärten Gespräche fortsetzen.

Reuters CAMP DAVID. "Niemand wollte aufgeben", sagte Clinton. Die Kluft zwischen beiden Seiten bleibe beträchtlich, es habe jedoch auch Fortschritte gegeben. US-Außenministerin Madeleine Albright werde in seiner Abwesenheit die Vermittlerrolle übernehmen. Clinton selbst reiste zum Weltwirtschaftsgipfel nach Japan ab. Aus israelischen Delegationskreisen war zunächst verlautet, Israel werde die Gespräche nur dann fortsetzen, wenn es einen entscheidenden Wandel in der Haltung der Palästinenser gebe.

In der Nacht zum Donnerstag hatte das US-Präsidialamt mitgeteilt, der Gipfel sei nach neun Tagen ergebnislos zu Ende gegangen.

Aus Kreisen beider Seiten verlautete, der Status Jerusalems sei das Haupthindernis bei den Verhandlungen. Die Palästinenser beanspruchen den Ost-Teil Jerusalems als Hauptstadt ihres künftigen Staates, während Israel auf Jerusalem als seiner ungeteilten Hauptstadt besteht. In anderen strittigen Themen seien indes Fortschritte erzielt worden. Weitere Streitpunkte sind die Grenzen eines künftigen Palästinenser-Staates, die Rückkehr palästinensischer Flüchtlinge und die jüdischen Siedlungen in Palästinenser-Gebieten. Der Nahost-Gipfel auf Clintons Landsitz Camp David im US-Bundesstaat Maryland hatte vergangenen Dienstag begonnen. Israel und die Palästinenser haben sich für einen endgültigen Friedensvertrag eine Frist bis zum 13. September gesetzt.

Clinton sagte vor seiner Abreise nach Japan in Thurmont bei Camp David, angesichts der bereits erzielten Fortschritte müssten auch zusätzliche Wegstrecken bei den Verhandlungen in Kauf genommen werden. Nach intensiven Beratungen hätten sich beide Seiten darauf geeinigt, auch während seiner Abwesenheit in Camp David zu bleiben. Er selbst werde sich nach seiner Rückkehr vom Weltwirtschaftsgipfel in Okinawa ein Bild vom Stand der Verhandlungen machen, sagte Clinton. Dies seien die schwierigsten "Friedensangelegenheiten", mit denen er es je zu tun gehabt habe. Er werde sich weiter an die Nachrichtensperre halten und keine Details bekanntgeben, ergänzte Clinton.

Kurz nachdem Sprecher des US-Präsidialamtes, Joe Lockhart, erklärt hatte, das Gipfeltreffen sei ohne Ergebnisse zu Ende gegangen, war aus israelischen und palästinensischen Kreisen verlautet, Barak und Arafat blieben weiter in Camp David. Palästinenser-Vertreter Hassan Abdel-Rahman sagte, Arafat werde zunächst nicht abreisen. Ein israelisches Delegationsmitglied sagte, Barak und die israelische Abordnung wollten ebenfalls bleiben.

Israel und die Palästinenser geben sich gegenseitig die Schuld an den Komplikationen beim Nahost-Gipfel. Palästinenser- Vertreter Abdel-Rahman warf Israel Unnachgiebigkeit vor. Abdel-Rahman sagte, Barak verhandle mit rechtsgerichteten Parteien in seinem eigenen Land und nicht mit den Palästinensern. Baraks hatte kürzlich wegen seiner Friedenspolitik die Mehrheit im israelischen Parlament eingebüßt. Israelische Kreise verwiesen indes auf einen Brief Baraks an Clinton, in dem der israelische Regierungschef den Palästinensern vorwirft, nicht aufrichtig zu verhandeln.

Arafat hat angekündigt, bis zum 13. September einen Palästinenser-Staat auszurufen, sollte es bis dahin keine Einigung geben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×