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12.02.2002

10:57 Uhr

rtr LUXEMBURG. Carrier 1 beantragte eigenen Angaben zufolge am Dienstag am Luxemburger Stammsitz bei Gericht die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, um "eine geordnete Verwertung der Vermögenswerte" zu erreichen.

Eine Entschädigung der Aktionäre und die Zahlung der fälligen Zinsen an Anleihebesitzer schloss die mit eigenen Glasfasernetzen in 13 Ländern aktive Carrier 1 jedoch aus. Das Unternehmen erwartet zudem, dass zumeist noch bis Ende der Woche auch die in Europa tätigen Tochtergesellschaften ähnliche Schritte ankündigen.

An der Börse brachen die im Nemax50 notierten Aktien der Gesellschaft in der Spitze um bis zu 44 % auf ein Rekordtief von 0,23 ? ein. In der rund zwei Jahre zurückliegenden Boomphase der Börse hatten die auch an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Aktien ihren historischen Höchststand mit 166 ? markiert. Wegen unsicherer Geschäftsaussichten mieden Investoren in der Folge jedoch zunehmend Telekommunikations-Werte. Nachfrageeinbrüche in der Branche hatten zuletzt zur Pleite zahlreicher Telekom-Firmen geführt, darunter der Netzanbieter Global Crossing.

Das in Luxemburg beantragte Verfahren (gestion controllee) sieht Carrier 1 zufolge vor, dass das Management künftig von einem vom Gericht bestellten Verwalter kontrolliert und ein Zahlungsmoratorium eingerichtet wird. Unter dem Gläubigerschutz will das Unternehmen versuchen, einen strategischen Partner zu finden, der die Vermögenswerte ganz oder in Teilen übernimmt. Diese Versuche waren bislang jedoch fehlgeschlagen. Auch die geplante Reduzierung der Verbindlichkeiten durch Rückkauf eigener Anleihen war zuletzt zum wiederholten Mal gescheitert, da Carrier 1 die dafür nötigen Finanzmittel nicht aufbrachte. Die operative Geschäftssituation von Carrier 1 hatte sich jüngst deutlich verschlechtert, da einer der wichtigsten Kunden eine weitere Zusammenarbeit ablehnte. Analysten sahen die dem Unternehmen verbliebenen Optionen schon als sehr beschränkt an und erwarteten die Zahlungsunfähigkeit. "Das Unternehmen hat aus meiner Sicht keine Zukunft, da keine Vermögenswerte vorhanden sind und die laufenden Ausgaben in Höhe von rund 50 Mill. Dollar pro Quartal in Kürze die noch vorhandenen Mittel aufgebraucht haben werden", hatte Felix Ellmann von SES Research gesagt. "Anlegern kann ich nur raten: Raus aus dem Wert", empfahl er jüngst.

Die Möglichkeiten zur Restrukturierung schätzte Carrier 1 zuletzt selbst als gering ein. Die Firma hatte sich Anfang Februar aber nicht äußern wollen, wie lange die Finanzmittel noch die laufenden Ausgaben deckten. Die freien Finanzmittel waren zum 29. Januar 2002 auf rund 90,7 Mill. Dollar beziffert worden. In den zurückliegenden Quartalen hatte das Unternehmen seinen Kapitalbedarf auf 17,1 Mill. Dollar in den drei Monaten zwischen Juli und September reduziert, nachdem im zweiten Quartal 43,8 Mill. Dollar und 109,2 Mill. Dollar im ersten Quartal 2001 verbraucht worden waren.

Am einst boomenden Neuen Markt der Deutschen Börse haben eine Reihe von Firmen inzwischen Zahlungsschwierigkeiten und beantragten mittlerweile Insolvenz, darunter die ehemaligen Börsenstars Brokat und Biodata .

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