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04.01.2002

18:09 Uhr

CDU/CSU-Bundestagsfraktion zweifelt an Merkel

Anzeichen für Kandidatur Stoibers mehren sich

In der Union mehren sich die Anzeichen für eine Kanzlerkandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). In der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hieß es am Freitag in Berlin, es sei nicht ersichtlich, wie CDU-Chefin Angela Merkel noch ihren Anspruch auf die Kandidatur durchsetzen könne.

Foto: ap

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Reuters BERLIN. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" rechnen sich alle maßgeblichen CDU-Landeschefs mit Ausnahme des nordrhein-westfälischen Parteivorsitzenden Jürgen Rüttgers mit CSU-Chef Stoiber die besten Chancen bei der Bundestagswahl im Herbst aus. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer kündigte an, seine Partei werde die Wirtschafts- und Sozialpolitik in den Mittelpunkt des Wahljahres stellen.

"Ich sehe keine Chance, dass Merkel in entscheidenden Gremien eine Mehrheit erhält", sagte ein CDU-Abgeordneter Reuters. Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) hatte bereits Anfang der Woche erklärt, eine große Mehrheit der Unions-Abgeordneten sei für Stoiber. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge plädieren auch die einflussreichen Landeschefs von Hessen und Niedersachsen, Roland Koch und Christian Wulff, für Stoiber. Beide haben sich öffentlich noch nicht erklärt.

Sowohl Merkel als auch Stoiber haben in den vergangenen Wochen erkennen lassen, dass sie als Herausforderer von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bereit stehen. Eine entscheidende Etappe beim Rennen um die Kanzlerkandidatur stellt nach Einschätzung von Unionspolitikern die CDU-Vorstandsklausur Ende kommender Woche in Magdeburg dar. In der CDU wird davon ausgegangen, dass dort Vorstandsmitglieder ihre Präferenzen signalisieren werden, die sich bisher in der Kandidatenfrage zurückgehalten haben. Beim Treffen der CSU-Landesgruppe Anfang der Woche in Wildbad Kreuth wird keine Entscheidung in der Kandidatenfrage erwartet. Allerdings wollen CSU-Parlamentarierer Stoiber massiv unterstützen. Es werde eine "allgemeine Begeisterung" für den Parteichef geben, sagte ein Landesgruppenmitglied.

Meyer gegen schnelle Entscheidung

CDU-Generalsekretär Meyer bemühte sich unterdessen, die Erwartung einer schnellen Entscheidung in der Kandidatenfrage zu dämpfen. Es sei möglich, dass erst im Februar der Schröder-Herausforderer nominiert werde, sagte er. Zuvor hatten allerdings sowohl Stoiber als auch Unions-Fraktionsvize Bosbach die Ansicht vertreten, dass noch im Januar der Kandidat benannt wird. Meyer ließ zugleich erkennen, dass Merkel sich nicht durch öffentliche Äußerungen unter Druck setzen lasse. Mit Blick auf die Äußerung Bosbachs, eine Mehrheit der Fraktion sei für Stoiber, sagte der Generalsekretär, "Einzelmeinungen" seien nicht ausschlaggebend.

Unterdessen formierten sich die Lager Stoibers und Merkels beim Rennen um den Kandidatenposten weiter. Nach dem Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Hermann-Josef Arentz, setzte sich der stellvertretende Fraktionschef Günter Nooke für die CDU-Chefin ein. "Angela Merkel ist im Osten sicher die gefährlichere Waffe gegen die PDS", sagte Nooke, der Sprecher der ostdeutschen CDU-Abgeordneten ist, der "tageszeitung". Auch der niedersächsiche Bundestagsabgeordnete Hermann Kues sprach sich für Merkel aus. Diese könne "weit über unsere Stammwählerschaft hinaus Menschen anziehen", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung".

In der Unionsfraktion wurde dieser Ansicht allerdings widersprochen. "Entscheidend ist doch, dass ihr die Mehrheit der Öffentlichkeit nicht zutraut, besser gegen Schröder abzuschneiden als Stoiber", sagte ein Abgeordneter. Keine einzige Umfrage spreche dafür, dass die CDU-Chefin mehr Wechselwähler anziehe als Stoiber. Merkel liegt in Umfragen schon seit Monaten hinter dem bayerischen Ministerpräsidenten.

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