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16.01.2002

19:00 Uhr

CDU und CSU ringen noch um die geeignete Organisation

Die SPD ist schon für den Wahlkampf gerüstet

Für die Strategen der Parteien ist die Nominierung von Edmund Stoiber zum Kanzlerkandidaten der Union der Startschuss für die heiße Phase vor der Bundestagswahl. Die SPD hat bereits ihre neue Wahlkampfzentrale bezogen. Die Union muss noch das Gewicht der CSU im Vorbereitungsteam austarieren.

gof/ran BERLIN. Ginge es nach Laurenz Meyer, wäre die Sache schon erledigt. Was denn mit der ganzen Wahlkampforganisation der CDU werde, wenn der CSU-Vorsitzende als Kanzlerkandidat benannt werde, wollte im vergangenen Herbst ein Journalist vom CDU-Generalsekretär Meyer wissen. "Dann ändert sich gar nichts", entgegnete der.

Das war eine etwas voreilige Prognose, offenbar in der Einschätzung getroffen, dass es so weit wohl nicht kommen werde. Doch jetzt ist Stoiber Kandidat, und die CDU muss ihre Wahlkampfstrategie neu formulieren - inhaltlich und organisatorisch. Deshalb treffen sich CDU-Chefin Angel Merkel und Stoiber heute in Berlin.

Dabei ist im Prinzip alles vorbereitet im Konrad-Adenauer-Haus. Hier im zweiten Stock hat die "Arena 02" ihren Platz, die Wahlkampfzentrale der Christdemokraten. Es gab Überlegungen, die Arena nach SPD-Vorbild auszulagern, aber das wäre zu teuer geworden. Aus dem gleichen Grund wird vermutlich die Lösung scheitern, die viele in der Union für die beste halten: Eine von CDU und CSU bestückte Wahlkampfzentrale irgendwo in Berlin.

Bereits am Mittwoch hat Meyer mit seinem CSU-Kollegen Thomas Goppel ein erstes Gespräch geführt. Offiziell ist Stillschweigen vereinbart worden, aber es deutet sich, dass einige CSU-Leute in die "Arena 02" einziehen werden, um sicherzustellen, dass beim "Kandidatenwahlkampf" nichts schief geht. In der CSU traut man Meyer die Leitung eines Bundestagswahlkampfs nicht zu. Außerdem will Stoiber vermeiden, dass wie bei der Kanzlerkandidatur von CSU-Chef Strauß im Jahr 1980 Querschüsse von der Schwesterpartei kommen.

Die großen Linien wird eine Wahlkampf-Kommission unter Leitung der Parteichefs vorgeben. Dem Vernehmen nach sollen auch Fraktionschef Friedrich Merz und CSU-Landesgruppenchef Michael Glos teilnehmen. Zu klären sind auch Finanzen. Etwa 20,5 Mill. Euro hat die CDU bislang für den Wahlkampf veranschlagt, rund 4,6 Mill. Euro die CSU. Möglicherweise wird ein Kandidat Stoiber aber für einen höheren Beitrag aus München sorgen.

Während die Union noch ringt, hat die SPD schon Nägel mit Köpfen gemacht und ihre neue "Kampa" bezogen. Im bunten Berliner Szenebezirk Mitte sind bereits 60 Leute mit den Vorarbeiten für die Bundestagswahl beschäftigt. Die neue Kampa in der Oranienburger Straße wird als "Werk I" bezeichnet, während die Parteizentrale in Kreuzberg neben ihrem offiziellen Namen "Willy Brandt Haus" noch den Zusatz "Werk II" erhält.

Damit knüpft SPD-Generalsekretär Franz Müntefering organisatorisch an sein Erfolgsmodell von 1998 an. Bei dem damals noch von Bonn aus geführten Wahlkampf gegen Helmut Kohl lagerte Müntefering die Kampagneführung bewusst aus der SPD-Zentrale aus, um Bevormundung und Einmischungsversuche aus der SPD-Zentrale abzuwehren. Anders als 1998 gilt es für die SPD als Regierungs- und Kanzlerpartei aber nun, die erzielten Erfolge zu verkaufen und ansonsten staatsmännische Ruhe und Gelassenheit zu demonstrieren. Entschieden werde die Wahl in den letzten sechs Wochen, weiß der routinierte Kampagneführer Müntefering.

Dennoch warten die spin-doctors des Kanzlers in der Kampa jetzt schon begierig auf das Alternativ-Programm des Unionskandidaten. Mit bloßer Kritik alleine, so die Erfahrung, kann Stoiber weder neue Wähler gewinnen noch die für den Erfolg eines Oppositionskandidaten unverzichtbare Wechselstimmung erzeugen. Der CSU-Chef muss also sagen, wie er seine Versprechungen finanzieren will. "Genau da kann man Stoiber packen und seine unseriösen Versprechungen entlarven", sagt ein SPD-Berater.

Schon jetzt wird bei der "Kampa" das Verhalten des bayerischen Ministerpräsidenten genau dokumentiert. Hat er etwa im Bundesrat gegen Vorhaben gestimmt, die er jetzt als Kanzlerkandidat fordern wird? Gibt es frühere Äußerungen, die jetzt im Wahlkampf plakativ als widersprüchlich angeprangert werden können?

Den 60 Kampa-Leuten in "Werk I" werden in Kürze weitere 60 freie Mitarbeiter folgen - an Geld mangelt es der SPD ja bekanntlich wenig. Das Budget für 2002 ist noch nicht beschlossen, doch unter den 1998 verbrauchten 50 Millionen DM wird die entsprechende Euro-Summe kaum liegen.

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