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12.02.2001

17:33 Uhr

Reuters MÜNCHEN. Die deutschen Direktbanken stehen nach der Einschätzung von Matthias Kröner, Vorstandschef der Direkt Anlage Bank, weiter unter Konsolidierungsdruck. Vor allem der amerikanische Direktbroker Charles Schwab suche nach Expansionsmöglichkeiten in Europa, sagte Kröner am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich habe, wenn ich über die Konsolidierung in der Branche nachdenke, das Gefühl, dass wir vielleicht bald das Ende erreicht haben", sagte Kröner. "Schwab sucht dringend eine Lösung in Europa", fügte er hinzu. Sein Unternehmen werde nach der Übernahme der französischen Self Trade im vergangenen Jahr aber wahrscheinlich keine Rolle im Konsolidierungsprozess spielen.

Die Direkt Anlage Bank (DAB) ist nach Marktkapitalisierung der größte Internet-Broker in Europa, nach Transaktionsvolumen aber nur die Nummer Drei. Überflügelt wird die DAB hier von ihrem Nürnberger Konkurrenten Consors, dem größten Direktbroker nach Transaktionen. Nach Marktkapitalisierung steht Consors aber nur auf dem dritten Platz, nachdem die Aktien im Januar ein Tief von 34,30 Euro erreicht hatten, im Gegensatz zum Jahreshoch 2000 von 164,90 Euro. Experten halten Consors deshalb auch für den wahrscheinlichsten Übernahmekandidaten, der dazu als einziger großer Direktbroker nicht durch eine Großbank im Hintergrund Rückendeckung erhält. Die DAB ist dagegen eine Tochter der HypoVereinsbank. Comdirect als Nummer zwei auf dem europäischen Markt wird von der Commerzbank kontrolliert.

Kröner lehnte eine Stellungnahme zu diesen Spekulationen ab, machte aber deutlich, dass der Konsolidierungsprozess in Deutschland von außen angestoßen werden müsste. "Ich glaube nicht, dass eine Konsolidierung zwischen Consors, comdirect und DAB möglich ist", sagte er. Der mögliche Übernahmeinteressent Schwab ist mit einem Marktwert von 37 Mrd. Euro und mehr als sieben Mill. Depots der größte amerikanische Direktbroker. Consors hat im Vergleich dazu nur eine Marktkapitalisierung von 1,8 Mrd. Euro.

Ein Sprecher der Nürnberger Direktbank sagte allerdings, Consors sei nicht in Gesprächen mit einem potenziellen Interessenten und fühle sich auch nicht von einer feindlichen Übernahme bedroht. "Der Aktienkurs wurde von den Entwicklungen an der Nasdaq und am Neuen Markt belastet. Wenn sich der (Neue Markt Index) Nemax erholt, erholen sich auch die Consors-Aktien", sagte er. Ein Sprecher des US-Brokers Schwab sagte, Europa sei ein interessantes Ziel. "Wir schauen nach Europa, haben aber noch nichts gefunden, was zu uns passt", fügte er hinzu.

DAB-Vorstandschef Kröner wiederholte unterdessen seine Prognose, wonach die Direkt Anlage Bank im vergangenen Jahr die Gewinnschwelle erreicht habe und das auch in diesem Jahr schaffen werde, allerdings vor den Firmenwertabschreibungen aus der Self-Trade-Übernahme. Neue Kunden will die Direkt Anlage Bank vor allem mit dem Einsatz unabhängiger Finanzberater gewinnen. "Der Feuertest für jedes Management ist, ob es auch in einem negativen Marktumfeld Wachstum erzielt", sagte Kröner. "Deshalb muss man seine Strategie anpassen, um in schlechten Zeiten mehr Sparprogramme zu verkaufen".

Nach der Einschätzung Kröners wird auch in Deutschland der Markt für die unabhängigen, zertifizierten Finanzberater wachsen, nachdem das Konzept in Großbritannien und USA erfolgreich gewesen sei. Eine grundsätzliche Änderung der Strategie oder Preissenkungen zur Akquirierung neuer Kunden schloss Kröner für 2001 allerdings aus.

Die DAB-Aktien legten in einem allgemein freundlichen Marktumfeld am Montag um 5,3 % auf 41,05 Euro zu.

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