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27.01.2003

08:44 Uhr

Chartkommentar – Für Charttechniker wäre ein Euro-Kurs von 1,17 Dollar keine Überraschung

Greenback hat weiteres Abwärtspotenzial

VonLutz Mathes (Hans-Dieter Schulz)

Der Euro stieg diese Woche um gut 3 Cent auf knapp 1,08 Dollar, den höchsten Stand seit drei Jahren. Eine wichtige Widerstandsmarke liegt für den Euro bei 1,09 Dollar pro Euro. Hier dürfte der Anstieg der europäischen Gemeinschaftswährung zunächst ins Stocken geraten.

FRANKFURT/M. Ein Rücksetzer würde einen erneuten Test der unteren Begrenzung des Aufwärtstrendkanals plausibel machen. Der verläuft gegenwärtig bei 1,03 Dollar pro Euro. Erst ein Bruch dieser Linie wäre als negativ für die Gemeinschaftswährung zu werten. Gelingt ihr hingegen ein signifikanter Anstieg über 1,09 Dollar, ist der Weg bis 1,17 Dollar pro Euro frei.

Ein Blick auf das Umtauschverhältnis des Euros zum US-Dollar gehört bei den meisten Anlegern zum Alltag. Der Chartverlauf bewirkt insbesondere in Deutschland, dem oft titulierten "Schlusslicht Europas", eine gewisse Genugtuung bei einigen. Denn trotz Irak-Krise und schlechterer Performance der europäischen Aktienmärkte fließt weltweites Kapital stärker in den Euro als in den Greenback.

Während der Dax seit dem Hochpunkt im März 2000 etwa 65 Prozent an Wert verlor, büßten die US-Standardwerte gemessen am Dow Jones nur 28 Prozent ein. Die Performance des EuroStoxx 50 liegt mit einem am Hochpunkt gemessenen Verlust von 58 Prozent zwar etwas besser als die des technologielastigen deutschen Standardwert-Indexes, doch rein nominal scheint der amerikanische Aktienmarkt den hierzulande maßgebenden Benchmarks immer noch eindeutig überlegen.

Aber auch diese Konstellation reicht offenbar für eine Kapitalflucht in den Dollar-Raum nicht aus. Während der Gold- und Ölpreis die gegenwärtige Gefahrensituation deutlich spürbar antizipieren, verliert die bei früheren Krisen so gefragte US-Währung an Terrain. Anleger befürchten nämlich, dass eine Auseinandersetzung mit dem Irak teuer werden könnte, vor allem dann, wenn die Ressentiments in Nahost gegen die USA immer größer werden.

Die Kurven des Dollars gegenüber Schweizer Franken, Yen und Euro verlaufen zwar unterschiedlich, doch für den seit Anfang 2002 bestehenden Trend kann der Euro als Referenz angesehen werden. Dass der Greenback gegenüber allen wichtigen Währungen absackt, macht klar, dass es sich hier nicht spezifisch um eine Euro-Stärke, sondern vielmehr um eine Dollar- Schwäche handelt.

Neben unterschiedlichen Aktienkursentwicklungen sind auch andere Faktoren für die Entwicklung einer Währung entscheidend. Einer davon ist die Renditedifferenz zwischen festverzinslichen Anleihen diesseits und jenseits des Atlantiks. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen ist in Deutschland trotz des jüngsten Rückgangs noch etwas höher als für vergleichbare Bonds in den USA. Damit fällt für risikobewusste Anleger ein Anreiz weg, in den Dollarraum zu investieren.

Ein anderer Faktor, der den USA bis 2002 einen währungsstärkenden Zufluss an Devisen verschaffte, waren die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen und Anleger. Dieser Kapitaltransfer glich bisher das enorme Zahlungsbilanzdefizit der USA aus. Doch Übernahmen und Aktienkäufe durch Währungsausländer gehen angesichts der gegenwärtigen Baisse und der stark in die Kritik geratenen Bilanzierungspraktiken einiger US-Unternehmen zurück. Deshalb dürfte der Anfang 2002 begonnene Aufwärtstrendkanal des Euros vorerst intakt bleiben.

Dr. Hans-Dieter Schulz ist Experte für technische Analyse und Mitherausgeber der Hoppenstedt-Charts, Dipl. Wi-Ing. Lutz Mathes sein Mitarbeiter

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