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14.01.2002

18:00 Uhr

Charttechnische Marke bei 5 100 Punkten nach unten durchbrochen

Deutsche Aktien gehen in die Knie

Die deutschen Aktienmärkte sind am Montagabend im Sog nachgebender US-Börsen tiefer in die Verlustzone gerutscht. Der Deutsche Aktienindex (Dax) weitete im späten Verlauf sein Minus auf mehr als zwei Prozent aus und durchbrach die Händlern zufolge charttechnisch wichtige Marke bei 5 100 Punkten.

Reuters FRANKFURT. Am Neuen Markt brach der Nemax 50 um mehr als 5 Prozent ein. Händler führten die fallenden Kurse auf die Empfehlung einer US-Investmentbank zurück, Portfolios mit mehr Anleihen und weniger Aktien neu zu gewichten, da die Bewertung von Aktien derzeit zu hoch scheine. Am deutschen Markt ragten die Aktien von Siemens und der Deutschen Telekom mit Verlusten von mehr als vier Prozent hervor.

Der Dax verzeichnete am frühen Abend einen Abschlag von 2,5 Prozent auf 5 081 Punkte, nachdem er sich über weite Strecken des Tages über der Unterstützungsmarke von 5 100 Punkten halten konnte. "Sollte der Index um den Bereich von 5 060 Punkten schließen, könnte er aus charttechnischer Sicht bis auf 5 000 Punkte nachgeben", sagte Alfred Kaiser, Analyst beim Börsenmakler Nols. Am Neuen Markt gab der Blue-Chip-Index Nemax 50 um 5,7 Prozent auf 1 176 Zähler nach. Der MDax für die mittelschweren Werte verbuchte einen Abschlag von 0,7 Prozent auf 4 334 Stellen.

Börsianer sagten, die Portfolio-Neugewichtung des US-Brokerhauses Merrill Lynch führte zu vermehrten Verkäufen an den Börsen in New York, die die deutschen Märkte mit in die Tiefe zögen. Merrill-Lynch-Stratege Richard Bernstein riet am Montag, den Anteil von Bonds auf 30 von bisher 20 Prozent anzuheben, Aktien auf 50 von 60 Prozent zu reduzieren und Bargeld mit 20 Prozent unverändert zu belassen. Es gebe derzeit nur eine dünne Grenze zwischen einem liquiditätsgetriebenen Markt, der eine Verbesserung der Fundamentaldaten erwartet und einer Luftblase (Bubble), schrieb Bernstein in einem Marktkommentar. Die US-Technologiebörse Nasdaq verzeichnete daraufhin ein Minus von 1,4 Prozent auf 1 993 Zähler, der Industriewerte-Index Dow Jones gab um 0,6 Prozent auf 9 931 Punkte nach.

Zudem kam Marktteilnehmern zufolge Unsicherheit bei den Investoren im Vorfeld der beginnenden US-Berichtssaison auf. In dieser Woche werden in den USA unter anderem Intel, General Motors, Yahoo, Citigroup, Ford, General Electric, IBM, Microsoft Geschäftszahlen vorlegen. Die Zahlen werden Händlern zufolge auch den deutschen Markt beeinflussen.

Zusätzlich hatte eine Rede des US-Notenbankchefs Alan Greenspan vom Freitagabend die Märkte belastet, hieß es am Markt. Greenspan hatte in seiner Rede gesagt, die Wirtschaft in den USA zeige bei weiter bestehenden Risiken erste Anzeichen einer Stabilisierung. "Doch ich möchte betonen, dass kurzfristig weiter bedeutende Risiken bestehen", fügte er hinzu.

Im Blickpunkt des Dax-Handels standen unter anderem die Anteilsscheine der Deutschen Telekom, die um mehr als vier Prozent auf 17,92 Euro nachgaben. Börsianer verwiesen darauf, dass der Kurs mit Handelsbeginn in den USA stärker unter Druck gekommen sei. "Wahrscheinlich trennen sich da wieder einige ehemalige VoiceStream-Aktionäre von ihren Telekom-Papieren", sagte ein Händler. Im Dezember war ein zweite Haltefrist für ehemalige VoiceStream-Aktionäre abgelaufen. Siemens -Aktien verloren rund vier Prozent auf 72,97 Euro. Am Montag wurde der Siemens-Konkurrent Ericsson von der Bank ABN Amro auf "Reduce" von zuvor "Hold" heruntergestuft.

Schwächer präsentierten sich auch die Aktien von Epcos , die sich um 1,1 Prozent auf 48,99 Euro verbilligten. "Das liegt mit Sicherheit an dem Dividendenbeschluss", sagte ein Händler. Der Hersteller elektronischer Komponenten will seinen Aktionären für das krisengeschüttelte vergangene Geschäftsjahr 2000/2001 (zum 31. September) keine Dividende zahlen.

Nach einer Herunterstufung verloren auch die Papiere der Münchener Rück 2,6 Prozent auf 284,30 Euro. Die Deutsche Bank stuft den Rückversicherer nur noch mit "Market Perform" statt bisher "Buy" ein. Die im MDax notierten Titel der Fraport AG stiegen um 4,3 Prozent auf 27,90 Euro. Die Deutsche Bank hatte die Aktie des Frankfurter Flughafenbetreibers zuvor auf "Buy" von "Marketperform" hochgestuft und ein Kursziel von 33 Euro genannt.

Am Neuen Markt gaben die Papiere der Nemax50-Firmen IM International Media und Balda nach reduzierten Prognosen deutlich nach. IM International büßten rund 20 Prozent und Balda mehr als 14 Prozent ein.

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