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05.05.2003

08:07 Uhr

Check-in für Flüge ab Frankfurt auch im Kölner Hauptbahnhof

Lufthansa setzt auf schnellen Zug zum Flug

VonEberhard Krummheuer

Lufthansa und Bahn wollen Passagiere auf der Kurzstrecke Köln - Frankfurt zum Umsteigen vom Jet in den ICE bewegen. Die Absicht: weniger Kosten, mehr Umweltschutz. Die Flüge werden trotzdem vorerst nicht eingestellt.

DÜSSELDORF. Von heute an können Lufthansa-Passagiere aus dem Rheinland, die ab Frankfurt in die Welt fliegen, bereits im Kölner Hauptbahnhof einchecken und ihr Gepäck dort durchgehend bis zum Zielflughafen aufgeben. Für die Reise nach Rhein-Main steigen sie in den ICE. Mit dieser neuen "Airail"-Verbindung unternehmen Lufthansa und Deutsche Bahn einen weiteren Anlauf, teure und ökologisch problematische Kurzstreckenflüge zugunsten der Schiene abzuschaffen. Doch fraglich ist, ob diese Rechnung aufgeht. Auf der seit zwei Jahren angebotenen Airail-Verbindung Stuttgart - Frankfurt nutzt nur eine Minderheit der Passagiere den ICE statt des Jets.

"Mehr als ernüchternd" seien die Erfahrungen auf der Zubringerstrecke von Stuttgart nach Rhein-Main, sagte jüngst Christoph Klingenberg, langjähriger Infrastruktur-Chef der Lufthansa. Gerade mal 30 % der Fluggäste nutzten den Zug. Erst bei mindestens 60 % könne die parallele Flugverbindung eingestellt werden, sagte Klingenberg in einem Interview: "Sonst müssen wir mit dem Verlust eines Großteils unserer Kundschaft aus dem Raum Stuttgart rechnen, der dann eben nicht mehr über Frankfurt, sondern über Paris oder Amsterdam reisen würde." Und das hieße dann: Die Kundschaft stiege nicht in den Zug, sondern zur fliegenden Konkurrenz um.

Bei der neuen Verbindung Köln - Frankfurt haben Lufthanseaten und Bahner mehr Hoffnung. Stuttgart - Frankfurt wird nur im Zwei-Stunden-Takt bedient - mit der Folge, dass je nach Abflug oder Ankunft in Rhein- Main längere Wartezeiten entstehen. Vom Kölner Hauptbahnhof aus, der für den internationalen Luftverkehr mit der Abkürzung "QKL" einen Drei-Buchstaben-Code wie ein Flughafen erhalten hat, fahren bis zu 13 ICE-Züge im Stundentakt - mit eigener LH-Flugnummer. Die Zahl der Flüge wird gleichwohl nicht reduziert.

"Man kann den Leuten nicht einfach verordnen, dass sie vom Flugzeug auf den Zug umsteigen", sagt Michael Uhlmann, Luftfahrtexperte beim Deutschen Verkehrsforum. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass beim Wegfall der Flugverbindungen von Köln/Bonn nach Frankfurt 80 % der Passagiere statt dessen das Auto nehmen würden. Auch Lufthansa-Mann Klingenberg weiß, "dass sich Verkehrsströme in unserer Gesellschaft nicht einfach verlagern oder dirigieren lassen". Doch von Köln - Frankfurt erwartet er einen "Akzeptanz-Durchbruch".

In einem Kooperationsabkommen hatten sich Lufthansa und Bahn in den 90-er Jahren darauf verständigt, weitere Luft-Kurzstrecken möglichst durch attraktive Schienenverbindungen zu ersetzen, insbesondere Düsseldorf - Frankfurt und Nürnberg - Frankfurt. Experte Uhlmann ist skeptisch, weil die Reisezeiten auf der Schiene auf diesen Strecken zu lang seien.

Denn in den internationalen Computer-Reservierungssystemen werden die schnellsten internationalen Flug- Verbindungen stets an erster Stelle angezeigt. Wer etwa aus dem Wirtschaftsraum Rhein-Ruhr in Richtung Nordamerika reist, der fliegt über Frankfurt ohnehin einen Umweg im Vergleich zu Routen über Paris oder London. Uhlmann: "Da machen dann längere Reisezeit auf der Schiene gegenüber der kurzen Flugzeit schon etwas aus."

Nur auf der Strecke Köln - Rhein/Main gibt es kaum noch Vorsprung in der Luft: Der ICE braucht via Hochgeschwindigkeitsstrecke laut Fahrplan 57 Minuten, während der Flug vom Airport Köln/Bonn mit 50 Minuten veranschlagt ist. Im Flughafen Frankfurt reichen als Umsteigezeit 45 Minuten, wie beim Wechsel von einem Flug zum nächsten. Das in Köln aufgegebene Gepäck reist im selben Zug an und wird automatisch weiter verladen. Im übrigen funktioniert das auch in der Gegenrichtung: Von allen Airports der Welt kann bis "QKL" durchgecheckt werden. Zollkontrolle und Kofferaushändigung sind dann im Kölner Hauptbahnhof vorgesehen, auf der dem Dom abgewandten Seite am Breslauer Platz.

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