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27.07.2000

20:53 Uhr

Chef der Stadtsparkasse Köln erläutert Refinanzierungsstrategie seines Hauses

„Das Internetzeitalter zwingt alle Sparkassen in ein Boot“

VonCASPAR DOHMEN

KÖLN. In Zukunft werden sich nach Ansicht des Chefs der Stadtsparkasse Köln, Gustav Adolf Schröder, mehr Sparkassen durch eine Ratingagentur bewerten lassen. Dafür macht er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt vor allem zwei Ursachen aus: Wenn in Folge der Neufassung des Baseler Akkords zukünftig die Kreditinstitute alle ihre Firmenkunden bei der Kreditvergabe einem Rating unterziehen müssten, könnten die Sparkassen selbst nicht mehr außen vor bleiben. Außerdem müsse eine Sparkasse alle Refinanzierungsmöglichkeiten prüfen, wenn die eigene Region nicht genug Kapital für den notwendigen Strukturwandel aufbringen könne.

Damit reagiert Schröder auf kritische Stimmen aus dem eigenen Sparkassenlager. Denen zufolge wären die Sparkassen nicht in das Blickfeld der Brüsseler Wettbewerbshüter geraten, wenn sein Haus auf ein Rating und die internationale Kapitalbeschaffung verzichtet hätte. Denn bisher hat sich das Kölner Institut als einzige Sparkasse in Deutschland von einer Agentur - Moody?s - bewerten lassen. Dies ist der entscheidende Grund dafür, dass das Institut neben der Westdeutschen Landesbank (WestLB) und der Westdeutschen Immobilienbank im Zentrum der Wettbewerbsbeschwerde der Europäischen Bankenvereinigung steht. Diese hat gestern in Brüssel bei der Europäischen Kommission ihre Beschwerdebegründung vorgelegt. Die Stadtsparkasse Köln setze verschiedene Refinanzierungsinstrumente ein, "die uns in den Augen der Beschwerdeführer in den Status eines international tätigen Kreditinstituts versetzen", sagt der Sparkassenchef.

Die Zeit arbeitet für die Sparkassen

Die Auseinandersetzung in Brüssel wird seiner Meinung nach noch bis zu drei Jahre dauern. Der Bundesobmann der Sparkassen ist davon überzeugt, dass die Zeit für die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute arbeitet. Je mehr große Bankfusionen es gebe, die von einem Rückzug der privaten Geschäftsbanken aus der Fläche begleitet würden, desto schwerer werde es, der Öffentlichkeit eine Änderung der Rechtsform der Sparkassen zu vermitteln.

Positiv bewertet der Chef der zweitgrößten deutschen Sparkasse den eingeschlagenen Weg beim Thema Direktbroker. Der Sparkassenverbund habe hier einen wichtigen Philosophiewechsel vollzogen: "Die Institute, die das Projekt durchführen wollen, werden nicht mehr von den anderen behindert." Vielmehr könne jetzt jede Sparkasse entscheiden, ob sie sich neben ihrem eigenen Internetangebot auch an dem zusätzlichen bundesweiten Sparkassen-Direktbroker beteiligen will. Weicht ein bundesweit agierender Direktbroker das für Sparkassen geltende Regionalprinzip auf? "Nein", erwidert Schröder entschieden. Die Begrenzung der geschäftlichen Aktivitäten einer Sparkasse auf ihre Region sei nach wie vor richtig, wenn man beispielsweise die Kreditvergabe oder das Zweigstellennetz betrachte. Dadurch werde das Risiko begrenzt. "Es macht schließlich keinen Sinn, von Köln aus im Hamburger Markt aktiv zu werden."

Aber das Beispiel Direktbroker zeige, dass Institute im Internetzeitalter gezwungen seien für eine bestimmte Kundengruppe gemeinsam Produkte bereitzustellen. Klar müsse jedoch sein, dass Sparkassenkunden, welche den günstigen Sparkassen-Direktbroker benutzen, sich zukünfig vorher nicht mehr kostenlos in einer Sparkassenfiliale beraten lassen könnten, sagt Schröder. Das sei angesichts der stetig schrumpfenden Provisionsmargen beim Wertpapiergeschäft für die Kreditinstitute nicht mehr zu finanzieren.



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