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16.01.2002

10:54 Uhr

Chef der Teleshopping-Gruppe Hot Networks soll verlustreiches Bezahlfernsehen von Kirch aus der Krise führen

Georg Kofler wird neuer Premiere-Chef

VonHans-Peter Siebenhaar

Der frühere Kirch-Manager Georg Kofler soll das Bezahlfernsehen Premiere World aus der Krise führen. Der jetzige Vorstandschef des Einkaufssender-Holding Hot Networks soll als künftiger Chef möglichst schnell mit mehr Abonnements die hohen Schulden eindämmen.

HB DÜSSELDORF. Der frühere Kirch-Manager Georg Kofler wird nach Informationen des Handelsblattes Chef des verlustreichen Bezahlfernsehens Premiere World. Der frühere Pro-Sieben-Chef und jetzige Vorstandsvorsitzende der Münchener Teleshopping-Holding Hot Networks AG soll das Pay-TV-Unternehmen in eine bessere Zukunft führen, wie Mittwoch Morgen aus Kirch-Kreisen zu erfahren war.

Nach dem Abgang von Ferdinand Kayser zum Luxemburger Satellitenanbieter Astra stand Premiere ohne Führung da. Erst am letzten Freitag legte das Unterföhringer Sender katastrophale Zahlen vor. Premiere steigerte die Zahl seiner Abonnenten im letzten Jahr lediglich um 110 000 auf jetzt 2,41 Millionen. Premiere World bringt damit die Kirch-Gruppe mit einem derzeitigen Schuldenstand von rund 6 Mrd. Euro in schwere Bedrängnis. Denn der Bezahl-Sender BSkyB des australisch-amerikanischen Medienunternehmers Rupert Murdoch hält 22 % an Premiere. Im Oktober diesen Jahres kann Murdoch die Anteile für 1,8 Mrd. Euro an Kirch wieder zurückzugeben, falls die Unternehmensziele nicht erreicht werden.

Der 44-Jährige Kommunikationswissenschaftler gilt als einer der erfahrensten TV-Manager in Deutschland. Der gebürtige Südtiroler betrieb unter anderen den Börsengang von Pro Sieben. Ende 2000 schied er bei dem Kirch-Sender aus. Der einstige Pionier des werbefinanzierten Fernsehens trieb seitdem den Ausbau seines Teleshoppingkonzerns in Europa voran. Der Vorstandschef und Gesellschafter der in München ansässigen Einkaufssender-Holding Hot Networks AG kommt zusammen mit seinen Partnern Thomas Kirch (Sohn von Leo Kirch) und dem US-Unternehmen Home Shopping Network mit seinen Plänen offenbar gut voran. In London startete im Oktober der bereits fünfte Sender von Home Shopping Europe.

In Kirch-Kreisen wurde zuletzt auch Christiane zu Salm, frühere MTV-Chef und heutige Vorstandsvorsitzende der Pro-Sieben-Tochter Euvía (Neun Live), genannt. Die 35-jährige Ex-Ufa-Manager arbeitet derzeit an dem Aufbau Reiseeinkaufskanal mit 24-Stunden-Programm. Als weiterer Kandidat für eine Führungsposition bei Premiere galt Rainer Hüther. Der frühere Chef des Deutschen Sportfernsehens (DSF) und EM.TV-Vorstandschef wäre eher als Marketingvorstand in Frage gekommen, jedoch nicht als Vorstandsvorsitzender. Der 38-Jährige wechselte zuletzt als Sprecher des Vorstands der Kirch München, zur arg gebeutelten Münchner Medienfirma EM.TV. Hüther gilt als enger Vertrauter des Kirch-Vizes Dieter Hahn.

Für Kofler geht es nun darum, möglichst schnell die Zahl der Abonnenten nach oben zu treiben. In der Kirch-Gruppe war über die zaghaften, auch widersprüchlichen Marketingmaßnahmen der vergangen Monate enttäuscht. Auch die Preisoffensive vom vergangenen Herbst brachte nicht die gewünschte Wirkung.

Kofler gilt in der Medienbranche als begnadeter Verkäufer und Marketingstratege. Er verfügt zudem über gute Kontakte zu amerikanischen Medienkonzernen. Zur Zeit sind an der von ihm geführten Hot Networks AG mit rund 46,66 % die amerikanische Home Shopping Network beteiligt. Je 26,67 % gehören ihm und Thomas Kirch.

Premiere-Sprecher Dirk Heerdegen erklärte gestern noch auf Anfrage: "Es werden viele Namen gehandelt. Aber Gerüchte über Personen und Funktionen kommentieren wir grundsätzlich nicht. Was gilt, ist unsere Aussage vom Herbst: Wenn sich eine sinnvolle Ergänzung für das Management von Premiere World ergeben sollte, wird man sicher über neue Möglichkeiten nachdenken (wie zum Beispiel im Fall von Helmut Stein). Alles andere ist Spekulation." Noch vor wenigen Wochen galt Ferdinand Kayser, der am 1. Januar nach Luxemburg wechselte, als Hoffnungsträger. Der frühere Bertelsmann-Manager kennt wie kaum ein anderer das schwierige Geschäft mit dem Bezahlfernsehen. Für seinen überraschenden Weggang von Premiere nannte er persönliche Gründe.

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