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20.07.2000

15:36 Uhr

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Chef von Karstadt-Quelle räumt Posten

Nach verfehlten Fusionszielen hat Walter Deuss am Donnerstag überraschend seinen Rücktritt angekündigt.

Deuss und Urban

Deuss und Urban

dpa DÜSSELDORF. Der langjährige Karstadt-Manager stand 18 Jahre an der Spitze des größten deutschen Warenhauskonzerns. Nach dem Zusammenschluss von Karstadt und Quelle hatte der 65-jährige Manager einräumen müssen, dass es bei den vor der Fusion von Karstadt und Quelle prognostizierten Ergebnissen erhebliche Abweichungen gebe.



Chefwechsel zum 1. Oktober

Nachfolger an der Spitze des Essener Handelsriesen soll der 55- jährige Ex-Metro-Manager Wolfgang Urban werden. Urban ist in dem Konzern bereits für die Leitung des wichtigen Warenhausgeschäfts verantwortlich. Der Chefwechsel soll bereits zum 1. Oktober vollzogen werden.

Die Börse reagierte mit einem kräftigen Kursanstieg auf den angekündigten Rückzug des Spitzenmanagers. Der Kurs der Aktie stieg bis zum Nachmittag um 2,85 Euro auf 33,40 Euro. Deuss soll nun in den Aufsichtsrat des Konzerns wechseln.



Unternehmensentwicklung wurde falsch eingeschätzt

Der scheidende Konzernchef hatte nach Kurseinbrüchen in den vergangenen Wochen vor der Hauptversammlung in Düsseldorf zugegeben, die Unternehmensentwicklung im ersten Geschäftsjahr des neuen Konzerns falsch eingeschätzt zu haben. "Wir haben uns in der Tat geirrt", sagte Deuss. Bereits 1999 hatte der neu geschaffene Handelsriese sein angekündigtes Ergebnisziel mit 503 Mill. DM vor Steuern um 202 Mill. DM verfehlt.



Das Ergebnis für das laufende Jahr wird wahrscheinlich um 400 Mill. DM verfehlt

Für das laufende Jahr 2000 kündigte Deuss den Aktionären noch weit größere Abstriche an. Statt des im Fusionsbericht angekündigten Vor- Steuer-Gewinns von 973,6 Mill. DM (497,8 Mill. Euro) soll nun nur noch ein Ergebnis von 515 Mill. DM erwirtschaftet werden. Erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahren soll der Konzern seine vor allem durch das schlechte Konsumklima verhagelten Planungen endlich einholen, kündigte Deuss an.

In den ersten sechs Monaten des Jahres erzielte Karstadt-Quelle mit seinem stationären Einzelhandel ein Umsatzplus von 2,9 % auf 6,6 Mrd. DM (3,4 Mrd. Euro). Stärker nahmen die Umsätze im Versandhandel zu - um 8,3 % auf 7,4 Mrd. DM.

"Ihre Aufgabe ist es nun, die im Verschmelzungsbericht aufgeführte Ergebnisprognose im Jahr 2003 zu erreichen", skizzierte Karstadt-Quelle-Aufsichtsratschef Hans Meinhardt die Aufgabe des designierten Konzernchefs. Der aus den Reihen des Karstadt-Quelle - Großaktionärs Schickedanz Holding stammende Urban galt schon lange als möglicher Nachfolger an der Spitze des Warenhauskonzerns. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte seine Karriere im Handel 1973 als kaufmännischer Angestellter bei der Kölner Kaufhof AG begonnen.



Kritik an der Informationspolitik

In einer turbulent geführten Diskussion äußerten Aktionärssprecher Zweifel, dass der neue Konzernchef die anstehenden Probleme in den Griff bekommen kann. Es müsse eine "radikale Umkehr" geben, forderten Sprecher. Vor allem die Informationspolitik des Handelsriesen geriet immer wieder ins Zentrum der Kritik. Dadurch sei es zu einem Vertrauensverlust bei Aktionären und Anlegern gekommen. "Sie werden eines Tages vor einem Schrotthaufen stehen", meinte ein Kleinaktionär.

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