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30.01.2004

18:05 Uhr

Chelsea vor 200-Millionen-Bestmarke

Englands Top-Clubs weiter im Kaufrausch

Was die Nationalmannschaft seit 1966 vergeblich versucht, haben die Vereine jetzt locker geschafft: Sie sind Weltmeister - allerdings nicht sportlich, sondern im Geld ausgeben. Auch in der Winterpause warfen sie mit den Millionen um sich.

HB HAMBURG. In den meisten Top-Ligen Europas wurde gekleckert, im Fußball-Mutterland dagegen geklotzt: Während sich die Vereine der Bundesliga, der spanischen Primera Divison, der Serie A in Italien und Frankreichs Ligue 1 im Winterschlussverkauf Zurückhaltung auferlegten, investierten Englands Top-Clubs wieder einmal kräftig. Allein das Trio Manchester United, FC Arsenal und FC Chelsea London zusammen steckte weit mehr als das Zehnfache der Bundesliga, die in der Winterpause rund fünf Mill. ? ausgab, in neue Akteure. Und Chelsea schickt sich an, nach acht Monaten mit Öl-Milliardär Roman Abramowitsch an der Spitze die 200-Millionen-Euro-Marke zu knacken.

Den Rekordtransfer des Winters leistete sich aber Jens Lehmanns FC Arsenal. Die "Gunners" machten für das spanische Supertalent José Antonio Reyes vom FC Sevilla rund 30 Mill. ? locker. Die exakte Ablöse richtet sich nach den Erfolgen der Londoner, die laut Sevillas Clubchef José Maria del Nido gar "noch mehr an uns zahlen, als die 35 Millionen, die Real Madrid für David Beckham aufbrachte". Manchester United zahlte 15 Mill. ? für den französischen Torjäger Louis Saha vom Ligarivalen FC Fulham, der den Ausfall von Edeljoker Ole-Gunnar Solskjaer (Knieoperation) kompensieren soll.

Geradezu im Kaufrausch ist weiterhin der FC Chelsea, der seit der Übernahme durch den Super-Mäzen Abramowitsch schon 175 Mill. ? in Umlauf gebracht hat. Zuletzt wurde der tschechische Nationalkeeper Petr Cech (Stade Rennes) für 13 Mill. geholt - allerdings erst für die kommende Saison. Der Schlussmann steht Chelsea damit nicht im Champions-League-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart zur Verfügung.

In den Duellen gegen die Schwaben am 25. Februar und 9. März mitwirken darf dagegen Scott Parker, den Chelsea nach dem gescheiterten Deal mit Tomas Rosicky (Borussia Dortmund) und der erneuten Verletzung von Spielmacher Juan Sebastian Veron kurz vor Ende der Transferperiode am Montag (24.00 Uhr) verpflichtete. Nachdem dessen Club Charlton Athletic die ersten Angebote der "Blues" (10,1 und 11,8 Mill. ?) abgelehnt hatte, öffnete Abramowitsch erneut die Schatulle und zahlte 14,6 Mill. für den Mittelfeldakteur.

Der VfB Stuttgart hat allerdings auch seine Sparsamkeit abgelegt und als einziger DFB-Club vor Beginn der zweiten Saisonhälfte kräftig investiert. Der deutsche Vize-Meister holte Nationalstürmer Marco Streller aus der Schweiz (3,0 Mill. ?/FC Basel) und den kroatischen Nationalmannschaftskapitän Boris Zivkovic (ablösefrei/FC Portsmouth) für die Abwehr. "Das ist das Zeichen für die Zuschauer und Sponsoren, dass wir angreifen wollen", betonte VfB-Teammanager Felix Magath, der Streller in dieser Saison allerdings nur in der Bundesliga einsetzen kann, weil der Torjäger bereits für Basel im UEFA-Cup tätig war.

Ansonsten war vielerorts in Europa Transfer-Enthaltsamkeit angesagt. Auf Grund von Verletzungen musste der FC Porto handeln: Er holte Sergio Conceicao. Neben dem Nationalspieler kamen als Ersatz für den verletzten Torjäger Derlei (Kreuzbandriss) Stürmer Maciel (UD Leiria) und Mittelfeld-As Carlos Alberto (Fluminense FC/Brasilien).

Während Real Madrid, der FC Valencia und Real San Sebastian am Transfermarkt Ruhe walten ließen, handelte Celta de Vigo. Arsenals spanischer Champions-League-Gegner nahm Stürmer Mauricio Pinilla (Chievo Verona) auf Leihbasis bis Saisonende unter Vertrag, da die Zukunft von Starspieler Catanha ungeklärt ist. Italiens Renommier- Club Juventus Turin sucht weiter Ersatz für den zum FC Barcelona abgewanderten Niederländer Edgar Davids. Doch statt viel Geld in neue Akteure zu stecken, investiert man lieber in bewährte Asse. Torjäger David Trezeguet, der sich über zu niedrige Bezüge beklagte, wurde zur Vertragsverlängerung bis 2008 ein Angebot über drei Mill. ? per anno (bisher 1,2) unterbreitet. Und Superstar Alessandro del Piero soll die Unterschrift unter den neuen Kontrakt durch eine niedrigere Fix-Summe (bisher 4,5), aber höhere Siegprämien versüßt werden.

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