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08.01.2003

10:45 Uhr

Chemotherapie ohne Nebenwirkungen

Ultraschall setzt Wirkstoff gezielt frei

Zielstrebig wie die Paketpost sollen starke Krebsmedikamente künftig genau dort ankommen und wirken, wo sie gebraucht werden: rund um den Tumor.

wsa HAMBURG. Zielstrebig wie die Paketpost sollen starke Krebsmedikamente künftig genau dort ankommen und wirken, wo sie gebraucht werden: rund um den Tumor. Heutige Chemotherapie jedoch schlaucht den ganzen Körper, denn die Medikamente schädigen während ihrer Reise zum Tumor auch gesundes Gewebe. Jetzt ist es US-Forschern gelungen, die Wirkstoffe so zu verpacken, dass sie wie harmlose Pakete durch den Körper reisen. Erst am Ort des Tumors werden die so genannten Transport-Mizellen mit Hilfe von Ultraschall "geöffnet" und können ihre Wirkung entfalten. Starke Nebenwirkungen sollen somit entfallen. Erste Studien der Forscher an krebskranken Laborratten verliefen erfolgreich, heißt es in einem Bericht des Fachblattes "Cancer Research". Die Behandlung von Menschen liege allerdings noch einige Jahre in der Zukunft.

"Wir glauben, dass Ultraschall das Medikament aus den Mizellen freisetzt und ihm auch behilflich ist, in die Tumorzellen einzudringen", erläutern die Forscher um William G. Pitt, Professor und Chemieingenieur an der Brigham Young University. Gemeinsam mit Natalya Rapoport, Bioingenieur-Professorin an der University of Utah, erreichte sein Team einen Durchbruch bei der gezielten "Medikamentenzustellung" im Körper. Die Forscher kombinierten zwei Schlüsseltechnologien miteinander: das Verpacken des Wirkstoffs in winzige Moleküle aus wasserlöslichem Kunststoff und den Einsatz von Ultraschall, um die Verpackung gezielt zu öffnen.

Mizellen bestehen aus Polyäthylenoxid- und Polypropylenoxid-Molekülen, die sich in Wasser spontan zu winzigen Kügelchen zusammenfinden. In früheren Versuchen hatten Pitt and Rapoport festgestellt, dass ein wasserunlöslicher Antikrebswirkstoff namens Doxorubicin im Inneren von Mizellen Zuflucht sucht, wenn beide in Wasser gemischt werden. Damit stand das Transportvehikel für die Reise im Körper fest. Ultraschall am Ort des Tumors öffnet dann jene Mizellen, die sich gerade dort befinden, und setzt den Wirkstoff nur in diesem Bereich frei.

Nach erfolgreichen Versuchen in Reagenzgläsern injizierten die Forscher einer Gruppe von Ratten mit Beintumoren das verpackte Doxorubicin. Sie testeten die Wirkung unterschiedlich starker Ultraschall-Dosen und vermaßen die Tumorentwicklung über die vier Wochen der Behandlung hinweg. Fazit: Die Tumore, die mit dem Medikament in Kombination mit Ultraschall behandelt worden waren, waren deutlich geschrumpft im Vergleich zu Tumoren, die keine Ultraschallbehandlung erfuhren.

"Wir sind begeistert über die Ergebnisse", meint Pitt, "aber wir müssen den Prozess noch optimieren." Sollten die weiteren Experimente erfolgreich verlaufen, so soll die Methode zunächst mit verschiedenen Medikamenten und Ultraschall-Frequenzen an weiteren Tieren ausgetestet werden. Klinische Studien an Menschen könnten frühestens in mehreren Jahren beginnen.

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