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30.01.2002

19:00 Uhr

Chevron Texaco will Erdöl aus dem Kaspischen Meer in die USA liefern

BP plant Einstieg in russischen Ölkonzern

Der britische Erdölkonzern British Petroleum (BP) Plc. verhandelt über einen Einstieg bei Russlands viertgrößtem Ölproduzenten, der TNK. Das bestätigte ein Sprecher der Tjumenskaja Neftjanaja Kompanija (TNK) dem Handelsblatt.

mbr MOSKAU. Aus dem Kreis der Gesprächsteilnehmer hieß es zudem, BP könne sogar die Hälfte des am aggressivsten expandierenden russischen Ölkonzerns übernehmen. Ein BP-Vertreter wollte nur das gewachsene Interesse an Russland bestätigen, was in die Pläne des Konzerns passe, seinen Ölausstoß um 5,5 % zu erhöhen.

Hintergrund ist eine um Russlands Ölvorkommen (die ein Drittel der Welt-Erdölreserven ausmachen) ausgebrochener Wettlauf unter den "großen Schwestern" der führenden westlichen Ölkonzerne: Angeführt von Exxon-Mobil sollen 12 Mrd. $ in das bisher größte russische Erdölprojekt auf der Insel Sachalin im Fernen Osten investiert werden. Auch BP und Shell engagieren sich in Öl- und Gas-Großprojekten dort mit Milliarden-Investitionen. Der zweitgrößte russische Ölproduzent, Yukos, hat kürzlich Förderprojekte mit Totalfina-Elf im Schwarzen Meer vereinbart.

Die Beteiligung an öffnet British Petroleum den russischen Markt für Großprojekte, für die ein einheimischer Partner zwingend erforderlich ist. Aus Sicht von TNK brächte das Geschäft mit dem in London ansässigen Unternehmen Geld für weitere Expansionspläne in die Kassen. TNK-Chef Simon Kukes hatte gegenüber dem Handelsblatt bereits im vorigen Sommer sein Interesse an westlichen Investoren bekundet. Sie sollten helfen, den Konzern zu modernisieren und geplante Ölprojekte realisieren. Ohne ausländische Beteiligung sei der im sibirischen Tjumen ansässige Konzern dazu nicht in der Lage.

Zudem wurde in Moskauer Medien von Finanzschwächen des TNK-Großaktionärs, der russischen Finanzholding Alfa, berichtet. Alfa bestreitet dies. TNK hingegen hat einen Schuldenberg von 2,5 Mrd. $ bei westlichen Kreditgebern angehäuft.

Die Briten hatten sich 1999 erbittert mit TNK um ihren Einfluss auf den russischen Ölkonzern Tschernogoneft befehdet. In einem Kompromiss waren BP dann 10 % und TNK 84 % bei Sidanco eingeräumt worden, nachdem TNK Tshernogoneft bei Sidanco herausgekauft hatte. Da TNK jetzt seine Ölaktivitäten unter dem Dach der TNK-International bündeln will, muss ohnehin eine Lösung für Sidanco in Verhandlungen mit BP gefunden werden. Gewünscht wird dabei die Eingliederung Sidancos in TNK-International und ein Einstieg von BP bei TNK, sagte TNK-Großaktionär Wiktor Wekselberg. TNK und BP kooperieren bereits bei Ausbeutung eines sibirischen Erdgasfeldes.

TNK hat im vorigen Jahr 40,5 Mill. Tonnen Rohöl gefördert. Der Reingewinn ist nach Firmenangaben um ein Viertel - nach 1,55 Mrd. $ im Jahr 2000 - gesunken. TNK ist halb so groß wie BP. ;

Der größte russische Ölkonzern, die Moskauer Lukoil, will unterdessen mit dem zweitgrößten US-Unternehmen der Branche, Chevron Texaco Corp., das auf Bohrinseln im Kaspischen Meer geförderte Erdöl in die USA liefern. Mit Tankern sollen 300 000 Tonnen Öl jährlich an die amerikanische Ostküste transportiert werden, meldete die russische Nachrichtenagentur RBK.

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