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24.03.2003

07:47 Uhr

"Chicago" ist bester Film

Deutsche Regisseurin erhält den Auslands-Oscar

Caroline Link wurde für ihren Film "Nirgendwo in Afrika" gewürdigt. Die Oscar-Verleihung in Hollywood war überschattet von den Ereignissen im Irak.

dpa HOLLYWOOD. Zum ersten Mal seit 23 Jahren ist wieder ein deutscher Spielfilm mit einem Oscar gewürdigt worden: "Nirgendwo in Afrika" von der in München lebenden Regisseurin Caroline Link erhielt in der Nacht in Hollywood den Oscar als beste nicht-englischsprachige Produktion. 1980 hatte zuletzt Volker Schlöndorff für seine Literaturverfilmung "Die Blechtrommel" den Auslands-Oscar erhalten. Zum besten Film des Jahres überhaupt wählte die amerikanische Filmkunst-Akademie das Musical "Chicago".

Die 75. Oscar-Zeremonie war überschattet von den Ereignissen des Irak-Krieges und stand unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen. Die Gala im Kodak Theater lief jedoch ohne äußere Störungen ab.

"Chicago" in der Regie von Rob Marshall konnte nach 13 Nominierungen insgesamt sechs Oscars sammeln. Catherine Zeta-Jones wurde für Schauspiel, Gesang und Tanz in dem auch kommerziell erfolgreichen Film als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. Außerdem gab es Preise für Ausstattung, Ton, Schnitt und Kostüme.

Die Überraschung des Abends war das Holocaust-Drama "Der Pianist" mit drei Oscars. Der Franzose Roman Polanski wurde für die deutsch- französisch-polnische Koproduktion als bester Regisseur geehrt. Nach einer lange zurück liegenden Verurteilung wegen einer Affäre mit einer Minderjährigen kann der 69-Jährige jedoch nicht in die USA einreisen, ohne festgenommen zu werden. Dem abwesenden Polanski spendete das Publikum Ovationen. Auch der junge Hauptdarsteller in "Der Pianist", der Amerikaner Adrien Brody, erhielt einen Oscar. Einen weiteren Preis gab es für das Drehbuch.

Die 38-jährige Caroline Link konnte ihren Oscar wegen einer Erkrankung ihrer sieben Monate alten Tocher nicht persönlich entgegen nehmen. "Ich freue mich riesig", sagte sie in einer ersten Stellungnahme. "Ich habe die Preisverleihung zu Hause vorm Fernsehen verfolgt und natürlich auf den Erfolg angestoßen." Die anderen deutschen Nominierten, der Kameramann Michael Ballhaus sowie die Trick-Kurzfilmer Chris Stenner und Heidi Wittlinger, gingen leer aus.

Die Australierin Nicole Kidman (35) wurde für ihre Leistung in dem Drama "The Hours" als beste Hauptdarstellerin gewürdigt. Der Filmemacher Pedro Almodóvar aus Spanien bekam einen Oscar für das Originaldrehbuch zu seinem Melodrama "Sprich mit ihr" ("Hable con ella"). Im Animationsgenre konnte sich der japanische Film "Spirited Away" ("Chihiros Reise ins Zauberland") gegen starke amerikanische Konkurrenten wie "Ice Age", "Der Schatzplanet" und "Spirit - Der wilde Mustang" durchsetzen.

Almodóvar, Adrien Brody und etliche andere Preisträger wandten sich in ihren auf 45 Sekunden begrenzten Dankesreden deutlich gegen den Irak-Krieg. Der für den Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" geehrte Michael Moore verband seinen Auftritt vor Millionen Zuschauern in aller Welt mit einem lauten und energischen Appell: "Wir sind gegen diesen Krieg, George Bush. Schande über Sie, Mr. Bush!", rief er auf der Bühne aus.

Der amerikanische TV-Sender ABC unterbrach seine nationale Live- Übertragung mehrmals für aktuelle Nachrichten über das Bombardement von Bagdad. Die Prominenten im Saal bekamen davon jedoch nichts mit.

dpa yyzz zi

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