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17.01.2001

19:00 Uhr

Chinas Notenbank liebäugelt mit Aufstockung des Euros in den Währungsreserven

Wechselkurspolitik soll nach WTO-Beitritt flexibler werden

Die chinesische Notenbank will das Zinsregime langsam und schrittweise liberalisieren. Nach dem Beitritt zur WTO soll der Wechselkursmechanismus flexibler werden. Zentralbankchef Dai Xianglong deutete gestern außerdem an, dass möglicherweise der Euro-Anteil an den Währungsreserven aufgestockt wird.

mg PEKING. Dai Xianglong, der Gouverneur der chinesischen Zentralbank, ist ein typischer Notenbanker. Über die Bestände in den Devisenreserven des Landes redet er nicht. Doch Dai gab gestern in Peking zu erkennen, dass er einer Aufstockung des Euro-Anteils in Chinas 165,5 Mrd. Dollar umfassenden Währungsreserven zugeneigt ist.

Die europäische Gemeinschaftswährung hält Dai für unterbewertet und sagt ihr für das laufende Jahr eine nicht näher bezifferte Kurssteigerung vorher. Und er fügte hinzu, die Zusammensetzung von Chinas Reserven richte sich auch nach der Profitabilität der darin enthaltenen Währungen. Das Außenhandelsministerium in Peking schätzt den Euro-Anteil an Chinas Reserven auf 20 %. Fan Gang, einer der führenden Volkswirte Chinas, sieht den Euro-Anteil näher an 10 %.

Der Notenbankchef versprach außerdem, Chinas Renminbi im laufenden Jahr stabil zu halten. Nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO in diesem Jahr solle jedoch den veränderten Handelsströmen und der Zahlungsbilanz entsprechend der Wechselkursmechanismus "flexibler werden". Einen Zeitplan wollte Dai nicht nennen. Analysten erwarten jedoch, dass bis Ende 2001 das Wechselkursband des Renminbi nach oben und unten auf bis zu 5 % geöffnet werden könnte. Dass Dai Stabilität verspricht, halten Beobachter für nichts Besonderes, denn hohe Handelsüberschüsse und steigende Währungsreserven verleihen der Landeswährung Auftrieb.

Renminbi erreichte zum Dollar ein Sechsjahreshoch

Zur Wochenmitte erreichte der Renminbi - der seit April 2000 schon 30 Mal sein enges Band ohne Interventionen der Notenbank verließ - mit 8,2763 zum Dollar den höchsten Stand seit sechs Jahren. Umfangreiche Einkäufe der 1,3 Mrd. Chinesen vor dem Neujahrsfest am 24. Januar lassen den Wechselkurs steigen. Die Notenbank schreitet nicht ein, weil sie darin keinen Trend sieht.

Chinas Zinsregime, das am 21. September für Kredite und Einlagen in ausländischer Währung teilweise liberalisiert wurde, soll langsam auch für die Landeswährung geöffnet werden. "Die Notenbank wird noch einige Zeit den Geschäftsbanken die Zinsen vorgeben", sagte Dai deutlich. Er begründete dies mit der begrenzten Kapitalausstattung in China und Limitierungen auf Seiten der Notenbank: "Die Kapazität, solche Anpassungen vorzunehmen, muss erst noch verbessert werden."

Außerdem seien die Geschäftsbanken in China - gemeint sind die vier großen Staatsbanken - in ihrem Kreditgebaren nicht sehr diszipliniert. Die Aufsicht darüber zu verbessern, ist laut Dai eines der wichtigsten Ziele in diesem Jahr.

Notenbankchef Dai will Kredite fördern

Interessant ist der Hinweis, nicht nur die Volkswirtschaft weiterhin mit wachsender Liquidität zu versorgen (M2 soll um 13 bis 14 % wachsen), sondern Konsumentenkredite, Hypothekendarlehen und Kredite für die Schul- und Universitätsausbildung zu fördern. Die allgemeine Zielrichtung ist hier eine Ankurbelung des immer noch flauen privaten Konsums.

Zu den Banken sagte Dai, er veranschlage den Anteil überfälliger Kredite an allen Ausleihungen chinesischer Banken mit 25 %. Die als uneinbringbar bezeichneten Kredite sollen auf 3 % gesunken sein, nachdem sie vor zwei Jahren noch 8 bis 9 % betrugen. Ihr Volumen soll in den nächsten Jahren um jeweils 2 bis 3 % reduziert werden. Bislang haben die vier im Jahr 1999 eigens gegründeten Kapitalauffanggesellschaften die Staatsbanken von umgerechnet rund 350 Mrd. DM faulen Krediten entlastet. Das vorgegebene Ziel der Reduzierung fauler Kredite sei nicht ganz erreicht, doch das Schlimmste sei vorüber, fasste Dai zusammen.

Im Fall der chinesischen Investment-Gesellschaften, die Anfang 1999 durch den Bankrott der Guangdong International Trust and Investment Corp (Gitic) für Aufsehen sorgten, kündigte Dai bis Freitag die Veröffentlichung seiner Reformpläne durch den Staatsrat an. Nur etwa 40 der 239 Itics werden demzufolge überleben.



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