Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2003

10:31 Uhr

Chip wirft Fernsehbild auf die Rückwand

Philips bringt Fernseher mit großem Bildschirm auf den Markt

VonSILKE THOLE

Bildschirmdiagonale von einem Meter und mehr sind teuer – und die Bildqualität lässt oft zu wünschen übrig. Daher entwickeln die Hersteller von Unterhaltungselektronik weltweit an alternativen Technologien. Philips hat hier die Nase vorn und bringt einen Fernseher mit neuer Displaytechnik auf den Markt.

STUTTGART. Der niederländische Elektronikkonzern Philips errichtet derzeit in Böblingen bei Stuttgart eine Entwicklungs- und Produktionsstätte für so genannte LCOS-Panels (LCOS = Liquid Chrystal on Silicon). Das sind Chips, die das Fernsehbild auf eine große Projektionsfläche abstrahlen können. Der Produktionsstart ist für Mitte des Jahres geplant.

Mit dieser Technik will das niederländische Unternehmen künftig Rückprojektionsfernseher mit einer großen Bildschirmdiagonale herstellen, wie dies bislang nur mit Plasmadisplays oder LCD-Bildschirmen möglich war. Diese mit LCOS-Chips ausgestatteten TV-Geräte sind zwar dicker als Fernseher mit Plasmadisplays, dafür aber erheblich flacher als Geräte mit einer herkömmlichen Bildröhre.

Die in Böblingen auf dem Gelände der bereits bestehenden Philips-Chipfabrik produzierten LCOS-Tafeln bestehen aus einem Siliziumchip mit verspiegelter Oberfläche, einer Flüssigkristallschicht und einer Glasplatte. Im Gegensatz zu LCD-Bildschirmen, die ebenfalls mit Flüssigkristallen arbeiten und von Lampenlicht durchstrahlt werden, reflektieren die Chips das Licht und werfen es auf die Projektionsfläche im Fernseher. Die Projektionsdisplays erzielen eine Auflösung von 1 280 mal 768 Bildpunkten, was etwa einer Qualität von einer Million Pixel entspricht. Diese reicht aus für die Wiedergabe von hochauflösendem Fernsehen (HDTV). Entwicklungsziel sei laut Volker Kuckherrmann, Geschäftsführer von Philips Semiconductors in Böblingen, die Verdoppelung der Auflösung in den kommenden zwei bis drei Jahren. Dann werde auch die Präsentation des Internets auf dem Fernsehbildschirm möglich.

"In Bezug auf Preis und Größe stellen LCOS-Fernseher einen Kompromiss zwischen Plasmabildschirm und Bildröhre dar. Die Bildqualität ist jedoch erheblich besser als bei LCD-Displays", sagt Kuckherrmann. Kosten werde ein LCOS-Fernseher mit einer Bildschirmdiagonalen von 1,2 Meter zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Zum Vergleich: Fernseher mit Plasmadisplay werden für rund 10.000 Euro angeboten.

Grundsätzlich eignet sich die LCOS-Technologie auch für die Herstellung kleinerer Displays bis hin zum Eye-View, dem Monitor direkt vorm Auge. "Durchsetzen wird sie sich jedoch in erster Linie bei großformatigen Fernsehern", so die Einschätzung von Norbert Frühauf, Professor für Bildschirmtechnik an der Uni Stuttgart. Frühauf geht davon aus, dass LCOS-Geräte vor allem in den USA und Asien gute Marktchancen haben, weil dort die Nachfrage nach großen Bildschirmen größer sei als hier zu Lande.

Aus Sicht von Philips ist Texas Instruments derzeit der Hauptkonkurrent. Der amerikanische Hersteller hat eine mikromechanische Lösung für die Rückprojektion entwickelt. Dabei werden winzige Spiegel - für jeden Bildpunkt (Pixel) einer - mechanisch bewegt und so das Licht reflektiert. Die anderen Wettbewerber setzen dagegen ebenfalls auf die LCOS-Technologie. Allerdings haben die Niederländer hier einen Vorsprung: Ihre Rückprojektionsfernseher benötigen nur einen Chip - die der Konkurrenz drei.

Mit der patentierten "Scrolling Colour"-Technologie gelingt es Philips, die drei Primärfarben rot, grün und blau in schneller Folge über das Panel zu rollen - quasi gleichzeitig zu projizieren. Die anderen Geräte benötigen für jede Farbe einen eigenen Chip. Hier wird das Bild aus drei Teilen zusammengefügt, was hohe Anforderungen an die Projektionsgenauigkeit stellt - zwei bis drei Mikrometer Abweichung können schon zu Qualitätsverlusten führen. "Die Konkurrenz arbeitet jedoch fieberhaft daran, diesen Nachteil wettzumachen", sagt Frühauf.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×