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21.01.2002

19:00 Uhr

Chiphersteller gibt sehr zurückhaltenden Ausblick

Infineon rechnet weiter mit roten Zahlen

Ulrich Schumacher, Vorstandsvorsitzender des Münchener Chipkonzerns Infineon, ist vorsichtig. Bei der Vorlage der Quartalszahlen gab er sich am Montag mit Blick auf die Zukunft der Chipmärkte sehr zurückhaltend.

cbu MÜNCHEN. "Es gibt erste positive Zeichen einer steigenden Nachfrage in bestimmten Segmenten, doch bisher fehlen klare Signale für eine nachhaltige Erholung des Gesamtmarktes", sagte Schumacher. Vielmehr erwartet er weiterhin starken Wettbewerb und hohen Preisdruck. Die Halbleiterbranche steckt seit einem Jahr in der bisher schwersten Krise, insbesondere wegen des Nachfrageeinbruchs im Mobilfunk und bei Speicherchips.

"Langsame Erholung im Anflug"

Schumacher macht aber erste Hoffnungsschimmer aus. "Wir haben das Schlimmste hinter uns und hoffen auf eine nachhaltige Erholung", sagte er. Insbesondere im Mobilfunk sieht Infineon "eine langsame Erholung im Anflug". Angesichts zuletzt stark steigender Preise für Speicherchips und positiver Signale aus der Branche hatten sich manche Experten aber einen zuversichtlicheren Ausblick erhofft.

Die Börse reagierte enttäuscht. Die Infineon-Aktie rutschte am Montag um mehr als 4 % ab und war zeitweise einer der Hauptverlierer im Dax. An den vorgelegten Quartalszahlen lag der Abschlag offenbar nicht. Die Ergebnisse würden im Rahmen der Erwartungen liegen, sagte etwa Analyst Ulrich Pelzer von Lehman Brothers in London. Die Ankündigung Schumachers, dass für das gesamte Geschäftsjahr 2001/02 (30.9.) wieder rote Zahlen erwartet werden, sei keine Überraschung, so Pelzer.

Analysten rechnen für 2001/02 mit einem Verlust von 750 bis 800 Mill. Euro. Positiv sei dagegen die Ankündigung von Finanzvorstand Peter Fischl, der einen leichten Umsatzanstieg prognostiziert hat. Bisher war angesichts der schwachen Konjunktur mit einem Umsatzrückgang gerechnet worden. Als Pluspunkt wurde auch gewertet, dass Infineon jetzt über liquide Mittel von netto 302 Mill. Euro. verfügt. Damit bestehe vorerst kein weiterer Kapitalbedarf, meinte Carsten Iltgen von WestLB Panmure. Erst Anfang Januar hatte Infineon eine Wandelanleihe über 1 Mrd. Euro platziert. Weitere Kapitalmaßnahmen würden zwar nicht vorbereitet, seien aber nicht völlig ausgeschlossen, sagte Schumacher.

Eintrübung auch bei Automobil- und Industrieelektronik erwartet

Im ersten Quartal 2001/01, also von Oktober bis Dezember 2001, ging der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 5 % auf 1,03 Mrd. Euro zurück. Der Nettoverlust lag bei 331 Mill. Euro, deutlich weniger als im Vorquartal mit minus 523 Mill. Euro. Im ersten Quartal 2000/01 wurde dagegen noch ein Nettogewinn von 280 Mill. Euro gemacht. Dabei entwickelte sich das Geschäft insbesondere in der drahtgebundenen Kommunikation und bei Chipkarten enttäuschend. Nur die Automobil- und Industrieelektronik war noch in den schwarzen Zahlen. Aber auch hier erwartet Infineon eine Eintrübung.

Bei Speicherchips hätten sich die Preise dagegen seit Mitte November etwa verdreifacht, hieß es. Die vollen Produktionskosten würden aber nach wie vor nicht erreicht. Infineon erwartet steigende Preise für Speicherchips. Schumacher erklärte, er erwarte auch vor dem Hintergrund der Erholung bei Speicherchips nach wie vor eine Konzentration in der Branche. Übrig bleiben würde in jedem Falle der US-Konzern Micron, der koreanische Hersteller Samsung, STM sowie Infineon. Micron verhandelt seit längerem mit dem koreanischen Anbieter Hynix über eine Allianz. Die Gespräche Infineons mit Toshiba waren gescheitert. Derzeit würde mit Anbietern aus Taiwan gesprochen, so Schumacher. Es sei aber nicht mit kurzfristigen Ergebnissen zu rechnen. Durch eine Konzentration in der Branche könnten die Überkapazitäten abgebaut werden.

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