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17.01.2003

13:09 Uhr

Chirac: "Gebot der Klugheit"

Frankreich fordert mehr Zeit für Kontrollen

Mit Frankreich hat sich ein führendes Mitglied des Uno-Sicherheitsrats hinter die Forderung der Waffeninspekteure nach mehr Zeit für Abrüstungskontrollen in Irak gestellt. Die Inspektoren würden dem Uno-Sicherheitsrat mitteilen, dass sie mehr Zeit bräuchten, sagte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei, am Freitag in Paris, wo er gemeinsam mit Uno-Waffeninspekteur Hans Blix über den Stand der Kontrollen informierte.

Reuters PARIS/BAGDAD. Frankreichs Präsident Jacques Chirac unterstützte die Bitte und bekräftigte, ein Militärschlag müsse vom Uno-Sicherheitsrat autorisiert werden. Frankreich hat als ständiges Mitglied ein Veto-Recht in dem Rat.

In Bagdad schwor der irakische Präsident Saddam Hussein sein Land in einer weiteren kämpferischen Rede auf einen Krieg gegen die USA ein.Nach Medienberichten über die angebliche Bereitschaft Saddams, ins Exil zu gehen, gab der Ölpreis am Freitag zunächst nach und sank wieder unter die Zwei-Jahres- Höchststände, die er am Vortag erreicht hatte.

Chirac spricht von Gebot der Klugheit

"Wenn wir (einen Krieg) vermeiden können, sind selbst ein paar Monate mehr, die wir brauchen, um unsere Arbeit vollständig zu erledigen, gut investierte Zeit", sagte ElBaradei. "Blix und ich werden dem Sicherheitsrat sagen, dass wir mehr Zeit brauchen, damit die Inspektionen ihren natürlichen Gang gehen können." "Klugheit gebietet es uns, dieser Bitte zu entsprechen", sagte Chriac. Die Inspektoren bräuchten mehr Zeit, um zu verlässlichen Schlüssen zu kommen, "die die internationale Gemeinschaft überzeugen können."

Am Vorabend waren die USA im Sicherheitsrat mit einem Versuch gescheitert, die Terminvorgaben der Uno-Resolutionen zur Berichterstattung über die Kontrollen und damit die Zeitspanne für die Inspektionen knapp auszulegen. Für die USA gelte, dass der Abschlussbericht am 27. Januar vorgelegt werden müsse, sagte US-Außenminister Colin Powell der Freitagausgabe der "Süddeutschen Zeitung" zufolge. Dieser Termin folgt aus der im November beschlossenen Resolution und begünstigt die Möglichkeit für einen Militärschlag im Februar oder März. Dem Zeitrahmen einer früheren Resolution zufolge müssten die Inspektoren einen Bericht am 27. März vorlegen. Diese Entschließung sei jedoch "in einer anderen Zeit für einen anderen Fall entstanden", sagte Powell. Der Rat beendete seine Debatte hinter verschlossenen Türen, ohne eine Entscheidung zu fällen. Der britische Uno-Botschafter Jeremy Greenstock sagte, die November-Resolution wiege schwerer, die Entscheidung liege jedoch bei den Inspektoren.

Saddam: Wir schlagen US-Truppen an den Toren Bagdads

Irak befinde sich in voller Kriegsbereitschaft und habe sich mit allen seinen Fähigkeiten auf die Angreifer vorbereitet, sagte Saddam in einer Rede, die zum zwölften Jahrestag des Golfkrieges von 1991 im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die US-Truppen würden an den Toren der kampferprobten Stadt Bagdad geschlagen. 1991 hatten die USA und ihre Verbündeten die irakischen Truppen aus Kuwait vertrieben. Beide arabische Staaten gehören zu den ölreichsten Ländern der Welt.

Während Saudi-Arabien bestätigte, einen Umsturz in Irak mit konkreten Schritten befördern zu wollen, sorgten Berichte für Aufsehen, Saddam sei unter bestimmten Bedingungen zum Gang ins Exil bereit. Beide Nachrichten nährten an den Märkten die Hoffnung darauf, ein Krieg werde noch im letzten Moment verhindert.

Ein hochrangiger Diplomat mit engen Kontakten zur saudiarabischen Regierung sagte, das Land wolle den irakischen Führungskreisen einen Sturz Saddams durch das Angebot einer Amnestie schmackhaft zu machen. "Die Idee ist, sie davon zu überzeugen, dass wir nur hinter Saddam her sind, so dass sie eher gegen Saddam aufstehen", sagte er. Die Nachbarstaaten Iraks fürchten eine Instabilität Iraks nach einem Krieg und damit schwerwiegende Folgen für die gesamte Region.

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