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31.01.2003

15:00 Uhr

Chronik des Übernahme-Krimis

Viele Hürden bis zur Ruhrgas-Übernahme

Der Energiekonzern Eon kann den größten deutschen Gashändler Ruhrgas nach einem beispiellosen Verhandlungspoker übernehmen. Die neun Fusionsgegner zogen am Freitag ihre Beschwerden gegen die Übernahme vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht zurück, nachdem sie Eon Zugeständnisse abgerungen hatten.

Reuters DÜSSELDORF. Im Folgenden eine Chronologie der Transaktionen:

JULI 2001: Eon vereinbart mit BP, ihre Tochter Veba Oel mit ihrem Tankstellenbetreiber Aral gegen eine Beteiligung der BP an Ruhrgas zu tauschen. Im Zuge einer Kapitalerhöhung will Eon zudem 51 Prozent an der BP-Tochter übernehmen, die 25,5 Prozent an der Ruhrgas hält. Bis zu diesem Zeitpunkt hält Eon über den Ruhrgas Bergemann GmbH, -Aktionär der 34,8 Prozent an Ruhrgas hält, 0,2 Prozent an Ruhrgas und zudem eine Option auf den Erwerb von 3,5 Prozent vom Konkurrenten RWE .

OKTOBER 2001: Eon erwirbt von Vodafone deren Anteil von 23,6 Prozent an Bergemann GmbH, was indirekt einem Anteil von 8,2 Prozent an Ruhrgas entspricht. Damit hält Eon mittelbar 37,4 Prozent an dem Essener Gas-Unternehmen.

14. NOVEMBER 2001: Eon meldet beim Bundeskartellamt die Übernahme der Mehrheit an Ruhrgas an. Mit RWE, ThyssenKrupp und Vodafone sei Einvernahme über den Erwerb ihrer Ruhrgas-Anteile erzielt worden.

3. DEZEMBER 2001: Das Kartellamt erteilt dem Tauschgeschäft zwischen Eon und BP eine Abmahnung und setzt eine Frist bis zum 7. Dezember, die Bedenken auszuräumen.

11. DEZEMBER 2001: Das Kartellamt gewährt Fristverlängerung bis zum 21. Januar für die geplante Übernahme der BP-Beteiligung an Ruhrgas durch Eon.

20. DEZEMBER 2001: Das Kartellamt genehmigt die Übernahme der Veba Oel mit seinem Aral-Tankstellennetz durch BP.

19. JANUAR 2002: Das Bundeskartellamt untersagt die geplante Übernahme des 25,5-prozentigen Ruhrgas-Anteils der Deutschen BP durch Eon. Gleichzeitig kündigt Eon einen Antrag auf eine Erlaubnis des Bundeswirtschaftsministers an, mit der die Entscheidung des Kartellamts aufgehoben werden soll.

19. FEBRUAR 2002: Eon beantragt in Berlin die Ministererlaubnis. Der Bundeswirtschaftsminister kündigt für Juni 2002 eine Entscheidung an.

28. FEBRUAR 2002: Das Bundeskartellamt untersagt die Übernahme der Bergemann GmbH durch Eon.

6. MÄRZ 2002: Eon beantragt zweite Ministererlaubnis für den Erwerb des Ruhrgasmiteigentümers Bergemann GmbH. Das Bundeswirtschaftsministerium sagt eine zusammenfassende Stellungnahme der Monopolkommission zu.

21. MAI 2002: Eon und die RAG AG vereinbaren einen Ringtausch. Eon will ihre Mehrheit an dem Chemiekonzern Degussa an RAG abgeben und im Gegenzug den RAG-Anteil an der Ruhrgas übernehmen. Unterdessen empfiehlt die Monopolkommission die Ablehnung der Übernahmen. Das Urteil der Kommission ist für eine Ministererlaubnis aber nicht bindend.

3. JULI 2002: Eon-Chef Ulrich Hartmann trifft sich zu Gesprächen über die Ruhrgastransaktion und die anstehende Entscheidung des Wirtschaftsministeriums in Berlin mit Staatssekretär Tacke. Stunden später teilt Eon mit, der Konzern wolle von ExxonMobil und Preussag (jetzt TUI) deren Ruhrgas-Anteile von zusammen 40 Prozent erwerben und damit Ruhrgas vollständig in seinen Besitz nehmen.

5. JULI 2002: Das Bundeswirtschaftsministerium genehmigt unter Auflagen die Erlaubnis der Fusion.

13. JULI 2002: Das OLG Düsseldorf stoppt im Eilverfahren den Vollzug der Übernahme. Der Berliner Energiehändler Ampere und Trianel in Aachen hatten die Eilanträge eingereicht. Später kommen sieben weitere Beschwerdeführer hinzu.

2. AUGUST 2002: Gericht bestätigt vorläufiges Vollzugsverbot. Eon kündigt an, alle Rechtsmittel ausschöpfen zu wollen.

19. SEPTEMBER 2002: Bundeswirtschaftsministerium bestätigt Ministererlaubnis, verbindet diese aber mit strengeren Auflagen.

17. DEZEMBER 2002: OLG hält Einstweilige Anordnung aufrecht und blockiert damit die Übernahme der Ruhrgas durch Eon.

31. JANUAR 2003: Eon erzielt nach rund zweiwöchigen intensiven Gesprächen mit den Fusionsgegnern eine außergerichtliche Einigung. Diese ziehen ihre Beschwerden zurück. Damit kann auch die RAG die Degussa übernehmen.

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