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17.01.2003

18:15 Uhr

Chávez soll aus dem Amt vertreiben werden

Tausend Menschen in Venezuelas Öl-Industrie entlassen

Die Regierung von Venezuela hat weitere 300 leitende Angestellte und Arbeiter der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA entlassen. Seit Beginn des Generalstreiks vor knapp sieben Wochen, mit dem die Opposition den Präsidenten Hugo Chávez aus dem Amt vertreiben will, sei die Zahl der entlassenen Ölarbeiter damit auf 1000 angestiegen, berichteten Medien am Freitag in Caracas.

HB/dpa CARACAS. "Es handelt sich um eine Hexenjagd, ausnahmslos um illegale Entlassungen, weil das Streikrecht in der Verfassung verankert ist", klagte der Sprecher der Öl-Gewerkschaft Unapetrol, Edgar Quijano. Unter anderem seien Dutzende schwangere Frauen entlassen worden, die vom Gesetz besonders geschützt würden. Weder Massenentlassungen noch Drohungen der linksnationalistischen Regierung würden die Streikbewegung schwächen oder zur Lösung der Krise beitragen.

Mindestens 35 000 der insgesamt 40 000 Angestellten und Arbeiter von PDVSA, des größten Unternehmens Lateinamerikas, haben sich dem Streik der Opposition angeschlossen. Die Förderung fiel zeitweilig von 3,2 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf bis zu 200 000 Barrel pro Tag. Erstmals seit 100 Jahren musste Venezuela Benzin importieren. Vor den Tankstellen bilden sich kilometerlange Schlangen.

Laut Energieminister Rafael Ramírez stieg die tägliche Produktion mit Hilfe von Soldaten und ausländischen Ölfachkräften inzwischen wieder auf über 800 000 Barrel an. Doch Quijano dementierte: Die Produktion liege zur Zeit bei höchstens 420 000 Barrel.

Die Ölindustrie sorgt für rund 80 Prozent aller Exporteinnahmen Venezuelas. Das Karibik-Land ist der fünftgrößte Produzent und Exporteur der Welt. Der größte Teil des Exports geht in die USA.

Chávez würde nach eigenen Worten zurücktreten, sollte die Mehrheit der Bevölkerung ihm in einem Referendum das Misstrauen aussprechen. Allerdings sei nach der Verfassung eine solche Abstimmung frühestens im August möglich, sagte er am Donnerstag nach einem Treffen mit UN - Generalsekretär Kofi Annan in New York. Das von der Wahlbehörde für den 2. Februar angesetzte Referendum lehne er weiter ab.

Seit Monaten finden in Venezuela Kundgebungen und Unruhen fast täglich statt. Der Streik der Opposition, die Chávez unter anderem "Autoritarismus" und eine "miserable Wirtschaftspolitik" vorwirft, führte zuletzt zu schweren Versorgungsengpässen.

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