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25.01.2007

12:21 Uhr

City Talk

Ami go home

VonMichael Maisch

Das Internetlexikon Wikipedia definiert den Begriff „Special Relationship“ wie folgt: „Die herzlichen diplomatischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Vereinigten Königreich. Speziell ist das Verhältnis der Briten zu den Amerikanern auf jeden Fall, doch mit dem „herzlich“ hätten viele Londoner Banker derzeit wohl ihre Probleme.

Die „Special Relationship“ ist seit längerem empfindlich gestört. So sehr, dass bereits im vergangenen Sommer gestandene Manager auf die Straße gingen, um gegen den großen Bruder jenseits des Atlantiks zu protestieren. Jawohl, es mag absurd klingen, aber Anfang Juli 2006 kam es gleich um die Ecke vom Trafalgar-Square zu einer antiamerikanischen Demonstration in Nadelstreifen. Damals ging es um das Schicksal der „Natwest Three“ – drei Banker, die in einen Betrugsfall im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des US-Energiehändlers Enron verwickelt sein sollen. Was die britische Geschäftswelt in Rage brachte, war die Tatsache, dass die drei die ihnen vorgeworfenen Verbrechen in Großbritannien verübt hatten, das Opfer, die Bank Natwest, ebenfalls ihren Sitz auf der Insel hat, und die USA trotzdem die Auslieferung des Trios durchsetzten.

In den vergangenen Tagen bekam der latente Antiamerikanismus neue Nahrung. Die US-Justiz lud gleich 16 Investmentbanken vor, die einer Reihe von Internet-Casinos geholfen hatten, an die Börse zu gehen. Seit vergangenem Oktober ist Internet-Glücksspiel in den USA verboten. Die Börsengänge fanden lange vor diesem Datum statt. Aber was für Aufregung in der City sorgte, waren weniger die Vorladungen an sich, als die rabiaten Methoden der US-Staatsanwälte.

Doch die Empörung müsste sich eigentlich in klammheimliche Freude verwandeln. Denn tatsächlich haben die US-Strafverfolger dem Finanzplatz an der Themse wieder einmal einen Dienst erwiesen. Die Gleichung ist simpel: Je mehr Angst und Schrecken die amerikanischen Behörden verbreiten, desto besser geht es London. Das hat eine McKinsey-Studie im Auftrag des New Yorker Bürgermeisters Mike Bloomberg klar bewiesen. New York verliert im Konkurrenzkampf der Finanzmetropolen deutlich an Boden. Grund: Die Angst der internationalen Geschäftswelt vor Überregulierung, teuren Klagen und Strafverfolgung.

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