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31.01.2008

13:50 Uhr

City Talk: London

Angst-Virus geht um

VonMichael Maisch

Alle haben Angst vor der Rezession: In London wimmelt es in den letzten Wochen nur so von Untergangspropheten. Und Einiges spricht dafür, dass die Special Relationship zwischen Briten und Amerikanern tatsächlich auch die transatlantische Ausbreitung von Wirtschaftskrisen einschließt.

LONDON. Wer hat Angst vor dem hässlichen R-Wort? "Rezession", wie eine dunkle Wolke hängt das Schreckgespenst einer langen und finsteren Krise über dem Londoner Finanzzentrum. Genau in 384 Artikeln tauchte das R-Wort im Januar in der "Financial Times", dem lachsfarbenen Zentralorgan der City auf - auch ein Beweis dafür, dass die Krise an den Finanzmärkten längst auf die Realwirtschaft übergegriffen hat. Das eigentlich Erschreckende dabei ist die Tatsache, dass die Rezession nicht länger nur in den Vereinigten Staaten vermutet wird, sondern der Angst-Virus inzwischen auch auf Großbritannien übergegriffen hat.

In den vergangenen Wochen hat sich die Zahl der Untergangspropheten in der City potenziert. Volkswirte wie David Owen von der Investmentbank Dresdner Kleinwort glauben, dass Großbritannien angesichts der rasanten Verschlechterung der Lage und vor allem der Stimmung kaum noch an einer Rezession vorbeikommt, und das ist längst keine Außenseitermeinung mehr.

Tatsächlich beschleicht einen ein äußerst unangenehmes Gefühl des Déja Vu, wenn man die Lage der Briten mit der ihrer bereits krisenerfahrenen Vettern jenseits des Atlantiks vergleicht. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt schleppt Großbritannien mittlerweile ein höheres Zahlungsbilanzdefizit mit sich herum als die USA. Die englischen Privathaushalte sind ähnlich hoch verschuldet wie die Amerikaner. Die Konsumenten auf der Insel stehen im Schnitt doppelt so hoch in der Kreide wie die Bürger im übrigen Europa. Inklusive Immobilienkrediten hat der kollektive Schuldenberg längst die Billionen-Grenze und damit das Volumen der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes überschritten. Jetzt gehen auch noch am wichtigen Immobilienmarkt langsam aber sicher die Lichter aus.

Seit mittlerweile drei Monaten fallen die Hauspreise in Großbritannien, und eine Untersuchung der Finanzaufsicht FSA kommt zu dem erschreckenden Schluss , dass ein Drittel aller Hypothekendarlehen, die seit April 2005 vergeben wurden als hochriskant eingestuft werden muss. Das klingt ganz so, als würde die Special Relationship, die Briten und Amerikaner traditionell pflegen, auch die transatlantische Ausbreitung von Wirtschaftskrisen einschließen.

maisch@handelsblatt.com

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