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04.01.2007

10:26 Uhr

City Talk

Pleiten, Pech und Pannen

VonMichael Maisch

Noch bis Dreikönig wird Londons Finanzzentrum vor sich hindösen. Das gibt uns Zeit, auf die Geschichten zurückzublicken, die die Finanzgemeinde 2006 wirklich bewegt haben.

Still ruht die City. Wo sich sonst Vertreter des Geldgewerbes drängen, herrscht feiertägliche Besinnlichkeit. Die Wochen zwischen Weihnachten und Dreikönig ist die einzige Zeit im Jahr, in der sich auch der gestressteste Investmentbanker einmal 14 Tage Urlaub am Stück gönnt. Bis Ende dieser Woche wird Londons Finanzzentrum noch vor sich hindösen, Zeit genug für einen Jahresrückblick.

Nein, es geht nicht um Übernahmerekorde und auch nicht um millionenschwere Boni, sondern um Klatsch und Tratsch, und um die unglücklichsten Auftritte des Jahres, die dank der Segnungen des Internets Banker rund um den Globus zum Lachen brachten.

Einen ehrenvollen dritten Platz auf der nach oben offenen Liste der Peinlichkeiten haben sich die beiden Angestellten der Bank of America verdient, die die Fusion ihres Geldhauses mit der Kreditkartenfirma MBNA vor versammelter Belegschaft mit einem Ständchen feierten. Die tieftraurige Ballade „One“ von U2 mutierte zum Loblied auf den Verbraucherkredit. Mit Schlips und Kragen und Wandergitarre schmachteten die beiden: „We’re one bank, one brand, one name known all over the world, one spirit leading us to high standards.“

Den höchsten Standards wollte auch Aleksej Vayner gerecht werden. In seinem Bewerbungsvideo für die Wall Street präsentierte sich der Yale-Student unter dem Motto „nichts ist unmöglich“ als Chef einer Wohltätigkeitsorganisation, Autor eines Buches über den Holocaust, Tennis-As, Gewichtheber, Karatestar und professioneller Latino-Tänzer. Leider hatte der bedauernswerte Hochstapler das meiste erfunden. Via Internet trat Vayners Video die Reise um die ganze Welt an. Die selbst gebastelte Erfolgsgeschichte schaffte es sogar in die „New York Times“. Vayner hatte seine 15 Minuten Ruhm.

Auf die hätte der brasilianische Merrill-Lynch-Manager Renato Malzoni Filho sicher gerne verzichtet. Das Paparazzi-Video, das den diskreten Privatbanker in einer ziemlich indiskreten Strandszene mit der MTV-Moderatorin und Ex-Freundin des Fußballstars Ronaldo, Daniella Cicarelli, zeigt, war nicht unbedingt die Werbung, die sich die US-Bank erhoffte. Dafür war es aber enorm populär, so populär, dass ganze Computersysteme in den Handelssälen von São Paulo zusammenbrachen, genau wie die Händler – vor Lachen

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