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11.01.2007

11:54 Uhr

City Talk

Schlechtes Omen

VonMichael Maisch

In London hat die Fachzeitschrift „International Financing Review“ ihre alljährliche Preisverleihung abgehalten. Der Andrang war überwältigend, was einige Banker als ein deutliches Anzeichen für die Gefahr einer Blase im Investment-Banking deuteten.

Die ersten Tage des neuen Jahres stehen im Londoner Finanzviertel, so scheint es, unter einem kategorischen Imperativ: Detox! Will heißen, im Januar entgiftet sich die City kollektiv. Zumindest könnte man das angesichts der Zahl der Banker glauben, die sich für kurze Zeit Bier, Wein und Steaks verkneifen und stattdessen missvergnügt im mit ein wenig Zitrone angemachten Salat stochern. Wahrscheinlich eine Reaktion auf die exzessiven Feiern, auf denen die Rekord-Boni für 2006 begossen wurden.

Doch die Detox-Tage sind schneller vorüber, als man das Wort „Tofu-Schnitzel“ buchstabieren kann. Schon in der zweiten Januar-Woche steht die erste große Party ins Haus. Dann vergibt die Fachzeitschrift „International Financing Review“ ihre Preise, die für den gemeinen Investmentbanker in etwa die gleiche Bedeutung haben wie ein Oscar für Tom Cruise oder Meryl Streep. Entsprechend ernsthaft sind die Bemühungen, sich prächtig zu amüsieren.

Nicht nur der Schirmherrin Prinzessin Anne fiel auf, dass der große Saal im Grosvenor House Hotel in diesem Jahr besonders gut gefüllt war. So gut, dass unten auf dem Parkett nicht ausreichend Platz für alle Tische war. Also deckten die Veranstalter auch noch auf den Balkonen ein. Für die meisten dieser Plätze galt das olympische Motto, dabei sein ist alles, man muss nicht auch noch unbedingt mitbekommen, was auf der Bühne passiert.

Einige Banker werteten den Andrang als ausgesprochen schlechtes Omen. Die einfache Gleichung lautet in etwa, je mehr Tische bei den IFR-Awards, desto größer die Gefahr einer Blase im Investment-Banking.

Wer nach weiteren Menetekeln für die erfolgsgewohnte Branche sucht, muss sich keine allzu große Mühe geben. Kurz vor dem abrupten Ende des letzten Booms nahmen Banken, die sich lange mit einem Nischenplatz zufrieden gaben, sehr viel Geld in die Hand, um mit den ganz Großen mitspielen zu können. So fachten sie die Glut in einem ohnehin überhitzten Markt weiter an. Offenbar arbeitet das Wall-Street-Haus Bear Stearns gerade daran, seine Belegschaft in London zu verdreifachen und sucht deshalb innerhalb von zwei Jahren 2 000 neue Angestellte.

Bei so vielen schlechten Omen müssen die Investmentbanker den Gürtel ja vielleicht tatsächlich schon bald enger schnallen – ganz ohne Detox.

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