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30.01.2003

07:36 Uhr

Claude Schmit ist Chef des Kindersenders Super RTL

Bequem zwischen zwei Stühlen

VonHans-Peter Siebenhaar

Früher verkaufte er Stahlträger, heute Kinderträume - mit Erfolg: Claude Schmit, Chef von Super RTL, führte den kleinen Kinderkanal in die Gewinnzone.

Entspannt sitzt Claude Schmit, Chef des Kindersenders Super RTL, im Bistro an der Croisette in Cannes und blickt auf die schräg gegenüberliegenden Yachten von Zeichentrickproduzenten wie RTV Family Entertainment oder TV Loonland.

Der legere Geschäftsführer des kleinen Kanals aus der großen RTL-Senderfamilie ist auf der Filmrechtemesse in der südfranzösischen Stadt ein umworbener Mann. Denn der Trickfilmmarkt hat sich in den letzten drei Jahren drastisch verändert: Während das Angebot steigt, sinken die Programmetats. Der gebürtige Luxemburger, der perfekt in Französisch und Englisch parliert, braucht also längst nicht mehr die absurden Preise von früher zu zahlen. Das kommt der positiven Bilanz des Kölner Senders zugute.

Während andere Senderchefs unter dem miserablen Werbemarkt stöhnen, ist Schmit guter Laune. Der stets verbindliche 42-Jährige genießt die Rolle zwischen den gleichberechtigten Gesellschaftern. "RTL und Disney ergänzen sich vorzüglich", sagt er. Der Senderchef sitzt bequem zwischen zwei Stühlen: Keiner der beiden Medienkonzerne beherrscht den Sender.

Doch das Macht-Patt hat auch Nachteile. Mit unterschiedlichen Auffassungen blockieren sich die Gesellschafter bisweilen gegenseitig. Bei manchen begehrten Filmrechten muss Super RTL hinten anstehen. Oft gehen die interessantesten TV-Formate an Vox oder RTL 2.

Der humorvolle Senderchef, der eigentlich zur Polizei wollte, steht bei seinen Gesellschaftern hoch im Kurs. Denn schließlich liefert er seinen Vorgesetzten in Luxemburg (RTL Group) und London (Disney) gute Gewinne ab - zuletzt rund 5,6 Millionen Euro.

Zum Fernsehen kam der Luxemburger eher zufällig. Wie so oft spielten im Großherzogtum Freundschaften eine wichtige Rolle. So war es Ferdinand Kayser, Chef des Satellitenbetreibers SES Astra, der seinen Freund 1992 zum Luxemburger Fernsehkonzern CLT holte. Dort baute Schmit das Geschäft in Osteuropa auf. Neben einer interessanten Aufgabe gab es auch einen schönen Titel: "Attaché à la Direction Générale" stand auf seiner Visitenkarte.

Lange hielt es den reisefreudigen TV-Strategen allerdings nicht in seiner Heimatstadt. Nach zwei Jahren wechselte er nach Köln zum gerade gegründeten Kinderkanal Super RTL, der offiziell RTL Disney Fernsehen GmbH & Co. KG heißt. Schmit war im Management Mädchen für alles. Er baute Unternehmensstrukturen auf, vertrat den Geschäftsführer und kümmerte sich um medienpolitische Fragen. Seit Anfang 2000 ist er alleiniger Geschäftsführer.

Der dreifache Familienvater liebt seine Aufgabe. Dennoch nimmt er sich und das Medium Fernsehen - im Gegensatz zu manch anderen Egozentrikern in der Branche - nicht allzu zu ernst. Seinen Mitarbeitern empfiehlt er daher gerne: "Nehmt eure Arbeit ernst, aber euch selbst nicht zu sehr." Er selbst hat die Bodenhaftung in der ansonsten so selbstverliebten Fernsehwelt nie verloren.

Der charmante Manager möchte seine Erfahrungen außerhalb der schillernden TV-Welt nicht missen. So war Schmit vor seiner Fernsehkarriere unter dem Diktator Jean- Claude Duvalier auf der bitterarmen Karibikinsel Haiti im Auftrag der Vereinten Nationen Wirtschaftsberater.

Darüber hinaus arbeitete er als Forschungsassistent an einer Universität in Tokio, kümmerte sich beim Luxemburger Stahlriesen Arbed um das Marketing und später von New York aus um das Lateinamerikageschäft. "Früher habe ich Stahlträger gekauft, heute verkaufe ich Kinderträume", sagt der Feinschmecker und begeisterte Skiläufer. Auch die zwei Jahre in Japan haben ihn geprägt. "Zum ersten Mal hatte ich mich als Angehöriger einer Minderheit gefühlt", sagt er.

Der gelernte Jurist mit MBA-Titel, der im fünften Stock eines nüchternen Zweckbaus in Köln residiert, hat wenig Lust, wie immer wieder angedacht, mit dem "großen Bruder" RTL unter ein Dach zu ziehen. Denn: Schmit schätzt die kurzen Wege in seinem über zwei Etagen verteilten Sender. "Bei nur 70 Angestellten weiß jeder, was der andere tut. Ich bin ein Spezialist für Delegation." Seine Mitarbeiter wissen diesen Führungsstil zu schätzen.

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