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27.07.2000

07:49 Uhr

Clinton hofft auf Debatten im Nahen Osten

Clinton hält Kompromiss in Jerusalem-Frage für möglich

Voraussetzung dafür sei, dass die fundamentalen Interessen Israels und der Palästinenser ebenso bewahrt blieben wie die Unantastbarkeit der moslemischen, christlichen und jüdischen Interessen in der heiligen Stadt.

Reuters WASHINGTON. Trotz des Scheiterns des Nahost-Gipfels hält US-Präsident Bill Clinton einen Kompromiss beim Kernstreitpunkt für möglich, dem Status von Jerusalem. Er sei überzeugt, dass die Jerusalem-Frage gelöst werden könne, sagte Clinton am Mittwoch (Ortszeit) in Washington. Voraussetzung dafür sei, dass die fundamentalen Interessen Israels und der Palästinenser ebenso bewahrt blieben wie die Unantastbarkeit der moslemischen, christlichen und jüdischen Interessen in der heiligen Stadt. Bei Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern müsse es möglich sein, dass beide Seiten das meiste ihrer Vorstellungen erreichten und sich keine von beiden über den Tisch gezogen fühle, sagte Clinton.

Die Verhandlungspartner müssten sagen können, dass es einen ehrenhaften Kompromiss gebe, sagte der US-Präsident vor Reportern. Er hoffe, dass der Gipfel in Camp David zu Debatten im Nahen Osten führe und sich Israel und die Palästinenser mit der Idee der Änderung anfreunden könnten. Clinton fügte hinzu, er sehe ein, dass die Konfliktparteien allein in der Diskussion darüber immensem Druck ausgeliefert seien. Dies habe dazu geführt, dass man eine Lösung nicht in zwei Wochen habe finden können. Man müsse erst lange über so etwas sprechen. Aber er glaube, dass es möglich sei, eine Lösung zu finden, sagte Clinton.

Am Streit über die von beiden Seiten beanspruchte Souveränität über Jerusalem war der Gipfel am Dienstag nach mehr als zweiwöchigen Verhandlungen gescheitert. Palästinenser- Präsident Jassir Arafat habe abgelehnt, den Palästinensern nur symbolische Hoheitsrechte über die heiligen Stätten in der Jerusalemer Altstadt einzuräumen, verlautete aus palästinensischen Kreisen. Arafat sagte, es werde wie vor einem Jahr vereinbart bis zum 13. September weiterverhandelt. Die Teilnehmer des Gipfels wollten bei den zukünftigen Gesprächen auf den in Camp David erzielten Fortschritten aufbauen, sagte Arafat in Gaza.

Israels Ministerpräsident Ehud Barak kündigte an, dass ein US-Sonderbotschafter in wenigen Wochen in den Nahen Osten reisen werde, um die weiteren Chancen auszuloten. Zugleich bemühte er sich um eine Lösung der israelischen Regierungskrise. Barak hatte jedoch zuvor bereits erklärt, er fühle sich nach dem Scheitern des Gipfels nicht an dortige Zugeständnisse gebunden.

Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger forderte die Palästinenser zu Kompromissen auf. Im Fernsehsender CNN sagte Berger, wenn die Palästinenser nicht bereit seien, sich im Streit um Jerusalem zu bewegen, werde es ihnen nicht gelingen, eine sicherere Zukunft zu bauen. Die Israelis seien bedeutend kompromissbereiter gewesen.

US-Kongress-Mitglieder drohten damit, Finanzhilfen für die Palästinenser per Gesetz auszusetzten, sollten diese wie angekündigt am 13. September einen unabhängigen Staat ausrufen.

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