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08.01.2008

11:36 Uhr

Clinton unter Druck

„Bügeln Sie mein Hemd“

VonChristina Otten

Es ist eine „persönliche Angelegenheit“ für Hillary Clinton. Lange hatte sie auf dieses Jahr hingearbeitet, sich als Senatorin einen guten Ruf erarbeitet und aus dem Schatten ihres Gatten Bill gelöst. Nun ist es ausgerechnet ein anderer Demokrat, ein Außenseiter, der ihren Präsidentschafts-Traum platzen lassen könnte. In Clintons Team macht sich Verzweiflung breit. Und die ersten Getreuen laufen ins gegnerische Lager über.

Hillary Clinton kämpft im Wahlkampf mit den Tränen. Foto: Reuters

Hillary Clinton kämpft im Wahlkampf mit den Tränen. Foto: Reuters

DÜSSELDORF. Für Hillary Clinton läuft es gar nicht gut. Nicht nur, dass sie sich auf eine weitere Niederlage gegen Barack Obama bei der Vorwahl in New Hampshire einstellen muss. Nun scheinen sich gar ihre eigenen Mitarbeiter nach neuen Allianzen umzusehen.

Das » „Wall Street Journal“ berichtet, einige bisherige Clinton-Unterstützer drängten auf einen frühzeitigen Rückzug der Demokratin, sollte sich Obama auch beim wichtigen Entscheid im „Granitstaat“ durchsetzen. Zahlreiche Senatkollegen, die sich bislang herausgehalten haben, sprechen demnach jetzt mit Obama-Beratern darüber, dem Neuling den Vorzug gegenüber seiner erfahreren Kollegin zu geben.

Dabei blicken sie auch auf die Entwicklung bei den nationalen Umfragen. Lag Clinton hier bislang stets vorn, sieht sie eine neue » Gallup-Erhebung nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Obama. „Ihre urspüngliche Strategie, sich als unausweichliche Nominierung zu positionieren, die bei den ersten Caucusus und Primaries durchmarschiert, geht nicht mehr auf“, konstatiert das „Wall Street Journal“.

Für wenig Aufmunterung im Clinton-Lager dürfte auch ein Zwischenfall im kleinen Ort Salem in New Hampshire gesorgt haben. Während einer Wahlkampfveranstaltung wurde die Demokratin sexistisch angefeindet. „Bügeln Sie mein Hemd!“ riefen ihr zwei Männer plötzlich zu und hielten auch Plakate mit der entsprechenden Aufschrift in die Höhe.

„Ach, die Überbleibsel des Sexismus - sie leben noch, und es geht ihnen gut“, konterte Clinton zum Applaus ihrer Anhänger. Dann rief sie den Saalwächtern zu, das Licht anzuschalten, weil es so schrecklich dunkel sei. Dies war das Zeichen für die Polizei, die beiden Störer festzunehmen und aus dem Saal zu führen. Clinton scherzte später über den Vorfall: „Wenn es noch jemanden im Saal gibt, der von mir erfahren will, wie man ein Hemd bügelt, dann kann ich es ihm gerne erklären.“

Doch nicht immer gelingt es Clinton, ihre Anspannung mit munteren Kontern zu überspielen. In Portsmouth schien sie am Montag zeitweise mit den Tränen zu kämpfen. „Manche Leute meinen, ein Wahlkampf ist nur ein Spiel“, sagte sie mit gebrochener Stimme.

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