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18.07.2000

18:34 Uhr

Clinton verschiebt möglicherweise Reise zum G-8-Gipfel

Israeli und Palästinenser verhandeln rund um die Uhr

Über den Stand der Gespräche gab es zahlreiche Spekulationen. Israels Regierungschef Ehud Barak will auch nachts weiter verhandeln. Verhandlungsmitglied: Gespräche zu fast allen Themen in der Sackgasse

AFP Thurmont/Jerusalem, 18. Juli (AFP) - Die bevorstehende Abreise von US-Präsident Bill Clinton zum G-8-Gipfel in Japan hat den Druck auf die Nahost-Friedensgespräche in Camp David verstärkt. Israeli und Palästinenser rangen am Dienstag praktisch rund um die Uhr um einen Durchbruch, wie ein Mitglied der israelischen Delegation sagte. Streitpunkt Nummer eins war demnach der künftige Status von Jerusalem. Über den Stand der Gespräche gab es zahlreiche Spekulationen. Während der israelische Rundfunk von einer angeblichen Kompromissbereitschaft der Palästinenser berichtete, vermeldete die größte israelische Zeitung "Jediot Aharonot" bereits das Scheitern der Verhandlungen. Auch palästinensische Medien waren eher pessimistisch. Israels Regierungschef Ehud Barak wolle auch nachts weiter verhandeln, um zu einer Einigung mit Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu kommen, sagte sein Sprecher am Dienstag. Unter Berufung auf israelische und palästinensische Quellen berichtete der Hörfunk, die Palästinenser seien einverstanden, dass Israel seine Souveränität auf die jüdischen Siedlungen im Westjordanland am Rande Jerusalems ausdehne. Im Gegenzug dafür dürften die Palästinenser die Kontrolle über die arabischen Vororte rund um Jerusalem übernehmen. Arafat habe jedoch nicht auf den von ihm beanspruchten Ostteil Jerusalems verzichtet. Dem Hörfunkbericht zufolge weigerte sich Arafat auch, die Kontrolle über die Grundwasserressourcen im Westjordanland bei den Israeli zu belassen. Offiziell hielt Clinton zuächst an seinem Terminplan fest, wonach er am Mittwochmorgen nach Japan reisen wollte. Ranghohe US-Regierungsvertreter schlossern aber nicht aus, dass der Präsident seine Reise um einen Tag verschieben könnte. US-Außenministerin Madeleine Albright sagte unterdessen eine geplante Rede bei einer Anwaltstagung in London ab, wie ihr Ministerium mitteilte. "Dieser Nachmittag wird entscheidend sein", sagte ein israelischer Vertreter am Dienstag. Die Delegationen müssten ihre endgültigen Positionen auf den Tisch legen. Nach Angaben eines palästinensischen Verhandlungsmitglieds befanden sich aber die Gespräche zu fast allen Themen in der Sackgasse. Trotzdem habe Arafat nicht die Absicht, am Dienstagabend abzureisen. Auch Baraks Sprecher wies Spekulationen zurück, der israelische Regierungschef werde Camp David mit leeren Händen verlassen. Der im Streit um die Nahost-Gespräche kürzlich zurückgetretene israelische Innenminister Nathan Schtscharansky ermunterte Barak dagegen, den Gipfel im Zweifelsfall scheitern zu lassen. Dann werde die Partei der russischen Einwanderer ihm helfen, eine Regierung der nationalen Einheit zu bilden, sagte Schtscharansky dem israelischen Rundfunk. Leah Rabin, die Witwe des 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten, appellierte in einem Brief an die "New York Times" an Barak und Arafat, ein Friedensabkommen zu schließen. Im Westjordanland und im Gazastreifen demonstrierten am zweiten Tag in Folge Hunderte von Palästinensern ihre Unterstützung für Arafats Verhandlungsführung. Palästinenserorganisationen wie die islamisch-fundamentalistische Hamas und die Demokratische Front für die Befreiung Palästinas (DFLP) riefen Arafat dagegen auf, Camp David zu verlassen, weil dort nichts Gutes für das palästinensische Volk herauskommen könne.

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