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04.02.2002

17:06 Uhr

Comeback für „Bauchrutscher“

Skeleton: Steffi Hanzlik ist Medaillen-Hoffnung

Olympia mit den "Bauchrutschern" - das gab es schon zwei Mal in der Geschichte der Winterspiele. 1928 und 1948 in St. Moritz durften sich aber nur Männer bäuchlings den olympischen Eiskanal hinunter stürzen. Die Frauen feiern in Salt Lake City ihre olympische Skeleton-Premiere.

dpa HAMBURG. Wo sonst als in Amerika hätte die Wiedergeburt des Eis-Spektakels besser inszeniert werden können? Den Kopf voran, das Kinn eine Handbreit über dem Eis, den Körper ungeschützt den Fliehkräften ausgesetzt, rasen die eher schmächtigen Athleten mit über 100 Sachen die Piste hinunter. "Da wird jeder, der unten ankommt, als Held gefeiert", weiß Steffi Hanzlik.

Die junge Frau aus dem thüringischen Steinbach-Hallenberg gilt als größte deutsche Hoffnung. Die 26-Jährige war 2000 Weltmeisterin und hat sich seitdem in der Weltspitze etabliert. Doch der Kreis der Medaillen-Kandidaten ist groß. Im Weltcup wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit Amerikaner, Kanadier, Briten, Österreicher und Schweizer auf dem Treppchen ab. "Die Dichte in der Spitze ist sehr groß. Gut möglich, dass die ersten Sechs innerhalb von zwei Zehnteln liegen", sagt die Sportsoldatin.

Bei den Männern erfüllt sich Willi Schneider mit dem Olympia-Debüt einen späten Traum. "1998 wollte ich nach dem Gewinn des WM-Titels eigentlich aufhören, aber dann ist Skeleton olympisch geworden", erzählt der 38-jährige Münchner über die Verlängerung seiner Karriere, die er am liebsten mit Edelmetall in Salt Lake City abrunden würde.

Skeleton ist Ende des 19. Jahrhunderts in St. Moritz entstanden. Der Begriff kommt aus dem Englischen und heißt so viel wie "Skelett" oder "Gerüst". Viel mehr ist der Schlitten auch nicht, der aus einer Wanne und zwei Kufen besteht, die nur aus nicht-magnetischem Stahl gefertigt sein dürfen und einen größeren Radius haben als die Rodel- Kufen. 92 Kilogramm dürfen Frau und Schlitten auf die Waage bringen, bei den Männern liegt das Limit bei 115 Kilo. Gelenkt wird mit dem Körper und nur bei starken Korrekturen mit den Füßen.

Obwohl die Talfahrt sehr halsbrecherisch aussieht, ist sie doch relativ ungefährlich. Zwar sind blaue Flecken und Schürfwunden an der Tagesordnung, doch der Schwerpunkt bei den maximal 20 Zentimeter hohen Schlitten liegt sehr niedrig. "Deshalb ist die Sturzgefahr auch geringer als beim Rodeln", erklärt Steffi Hanzlik. Sie muss es wissen: Bis 1995 rodelte sie noch in der Rückenlage.

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