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17.01.2002

09:59 Uhr

Commerzbank-Aktie gestiegen

Münchener Rück ordnet Beteiligungsgeflecht neu

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück hat sein Beteiligungsgeflecht mit der Allianz wie vereinbart neu geordnet und zugleich seine Anteile an der Commerzbank weiter aufgestockt.

Reuters MÜNCHEN. An der viertgrößten deutschen Geschäftsbank hält der Rückversicherer nach eigenen Angaben vom Donnerstag inzwischen 10,4 %. Ein Konzern-Sprecher in München bezeichnete den gegenüber den zuletzt verfügbaren Informationen fast verdoppelten Anteil aber als reine Kapitalanlage. Die Commerzbank vermutet dahinter jedoch auch strategische Überlegungen. Die Aktie der Commerzbank stieg zum Handelsauftakt um über 5 Prozent. Von der Deutschen Bank übernahm die Rück einen Teil von deren bisherigem Aktienpaket an der Nürnberger Versicherungsgruppe.

Die Münchener Rück spielte die Bedeutung der Aufstockung der Commerzbank-Beteiligung herunter. "Kaufen und verkaufen ist ein ganze normaler Vorgang", kommentierte ein Sprecher den Schritt. Nach unbestätigten Informationen war die Münchener Rück zuletzt mit 5,4 % an der als Übernahmekandidat gehandelten Frankfurter Bank beteiligt. Die Münchener Rück habe das niedrige Kursniveau der Commerzbank-Aktie als Kaufgelegenheit gesehen. Das Paket habe einen Wert von einer Milliarde Euro, das gesamte Anlageportfolio des Rückversicherers liege demgegenüber bei 160 Mrd. Euro, sagte der Sprecher.

Darüber hinaus nehme die Münchener Rück als nun zweitgrößter Aktionär der Commerzbank die Position eines "interessierten Beobachters" im Bankenmarkt ein. Der Vorstand der Commerzbank sei von dem Kauf informiert worden und begrüße ihn. Ein Sprecher der viertgrößten deutschen Geschäftsbank sagte, der stärkere Einstieg der Rück bedeute mehr als eine Anlage-Entscheidung: "Es ist eine geschickte Beteiligung. Die Münchener Rück will in dem sich wandelnden Bankenmarkt gut positioniert sein", sagte er. Die Commerzbank-Aktie stieg im frühen Handel um gut 5 Prozent auf mehr als 18 Euro. Nachdem die Übernahmespekulationen zuletzt nachgelassen hatten, war sie in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten.

Mit der Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz hatten der Versicherungskonzern und die Münchener Rück eine Entflechtung ihrer gegenseitigen und gemeinsamen Beteiligungen vereinbart, die nach Inkrafttreten der Steuerreform vollzogen werden sollte. Der erste größere Teil der umfangreichen Transaktionen sei nun abgeschlossen, teilte die Münchener Rück mit. An der Münchener Hypovereinsbank hält der Rückversicherer nach eigenen Angaben nun 25,7 %, während seine 40 %-Beteiligung an der Allianz Leben und die Anteile an der Dresdner Bank an die Allianz gingen. Die Münchner Rück erhält dafür von der Allianz einen Barausgleich zwischen 500 Mill. und 1 Milliarde Euro. Die bis 2003 verabredete Reduzierung ihres Allianz-Anteils auf 20 von 25 % sei ebenso schon vollzogen, hieß es. Eine kleinere schon 2000 vereinbarte Entflechtungsrunde mit der Allianz soll im Juli über die Bühne gehen.

Neu geordnet hat die Münchener Rück auch ihre Beteiligungen an anderen Versicherungsunternehmen. Im Zuge des Ausstiegs der Deutschen Bank bei der Nürnberger Versicherungsgruppe übernahm der weltgrößte Rückversicherer weitere 12 Prozent an dem im Kleinwerteindex SDax gelisteten Konzern und besitzt damit 19,8 %. Die Deutsche Bank, die bei der Nürnberger schon lange aussteigen wollte, ist nur noch mit weniger als 5 Prozent beteiligt. Bisher war sie mit 27,6 % deren wichtigster Einzelaktionär. Ihre restlichen Anteile gingen in Anteilen von jeweils weniger als fünf Prozent an mehrere andere Investoren, unter anderem den Einkaufsverband der Kfz-Händler, Techno.

Bei dem Münchener Versicherer Generali Lloyd ist die Münchener Rück dagegen ausgestiegen. Man habe das Angebot der AMB-Gruppe angenommen, die die Minderheitseigner abfinden und einen Beherrschungsvertrag mit ihrer Münchener Tochter schließen will.

Erstmals enthüllte die Münchener Rück auch Beteiligungen an anderen börsennotierten Firmen: An der Bausparkasse BHW Holding hält sie demnach 9,2 %, an der am Neuen Markt gelisteten Jenoptik AG 9,9 %. Ihren Anteil an der Mannheimer Versicherung hat die Münchener Rück auf 10,0 % erhöht.

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