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27.07.2000

20:56 Uhr

vwd FRANKFURT. "Als Fondsmanager stehe ich solchen Fusionen grundsätzlich skeptisch gegenüber", sagte Helmut Hipper, Fondsmanager von "UniSector:Finance", am Montag zu den Spekulationen um eine Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank. Erfahrungsgemäß erfüllten zwei von drei Fusionen nicht die in sie gesetzten Erwartungen, meint der Manager des auf Finanzwerte spezialisierten Fonds von Union Investment. Oftmals unterschätze das Management die Komplikationen und Reibungen. Dies beginne mit der Abgrenzung der Aufgabengebiete der Unternehmensführung, gehe weiter über einzelne Abteilungen bis herunter zu den Sachbearbeitern.

Auch seien "verletzte persönliche Empfindlichkeiten und Eitelkeiten" nicht zu unterschätzen. "Die Dresdner Bank hat hier bei der gescheiterten Fusion mit der Deutschen Bank Lehrgeld bezahlt. Das stimmt mich optimistisch, dass ein zweiter Versuch sorgfältiger vorbereitet wird." Ein Zusammenschluss beider Banken wäre nach Einschätzung von Union-Fondsmanager Hipper aber durchaus sinnvoll: Beide Institute ergänzten sich gut. Die Dresdner Bank sei stark im Investmentbanking; so steuere die Investmentbank Kleinwort Benson etwa zwei Drittel zum Betriebsergebnis bei. Die Commerzbank habe hier zwar zugelegt, aber immer noch wenig vorzuweisen.

Umgekehrt sehe es im Direktbankgeschäft aus, bei dem die Commerzbank mit der comdirect bank AG mit bereits über eine halbe Million Kunden und einem profitablen Geschäft führend sei. Im Retail-Banking-Geschäft könnten beide Institute durch Zusammenlegung der 800 Filialen der Commerzbank und der rund 1 300 Filialen der Dresdner Bank beträchtliche Rationalisierungsvorteile erzielen, so der Union-Fondsmanger. Auch im Back-Office und im IT-Bereich könnten Kosten gespart werden. Dies sei allerdings nicht auf die Schnelle möglich, sondern allenfalls langfristig. Zur Wahrscheinlichkeit und den Vor- und Nachteilen einer Fusion Dresdner Bank und Commerzbank meinte Hipper:

Bei der Dresdner Bank dürfte nichts ohne Zustimmung der Allianz laufen, die 22 % der Aktien hält. Dagegen sei das Gewicht des Commerzbank-Großaktionärs Generali geringer, der italienische Versicherer hält fünf Prozent der Commerzbank-Aktien. Vielmehr dürfte die CoBra-Beteiligung an der Commerzbank nach Meinung des Union-Fondsmanager das Zünglein an der Waage spielen. Konkret zu seinen Dispositionen meint Hipper: "Vor diesem Hintergrund habe ich die Aktien der Commerzbank in den letzten Wochen für den Finanzfonds UniSector: Finance erworben und die Aktien der Dresdner Bank mit 1,4 % höher gewichtet."

Beide Institute sind nach Hippers Angaben im Zugzwang. "Sie müssen strategische Schritte nach vorne machen. Sofern sie die richtige Schrittfolge wählen, dürfte das die Börse honorieren."

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